Wie kam es dazu, dass du nach Schweden ausgewandert bist?
Ich habe als Kind bereits einige Jahre mit meiner Familie in Stockholm gelebt. Meine Liebe zur Natur, Kultur und den Menschen hat mich nie losgelassen. 2017 habe ich dann auch einen tollen Beruf gefunden, wegen dem ich wieder in das Land meiner Träume auswandern konnte: Schlittenhundeführer.
Wie bist du zur Arbeit mit Schlittenhunden gekommen?
2017 nahm ich selbst an einer mehrtägigen Schlittenhunde-Tour teil. Das Leben der Mitarbeitenden und vor allem die Hunde haben mich nicht mehr losgelassen. Deshalb habe ich 2020 meine Wohnung in Deutschland aufgelöst und bin nach Schweden gezogen, um Schlittenhundeführer zu werden.
Gab es einen Schlüsselmoment, in dem du wusstest: "Das ist mein Weg"?
Nach meiner ersten erfolgreichen Saison als Guide und einem achtmonatigen Sommer, in dem ich allein für die Hunde verantwortlich war, sie versorgte und trainierte, war mir klar: Das ist ein Lebensweg, den ich bestreiten und mit meinen Gästen teilen möchte!
Du bietest Schlittenhundetouren an. Was ist der genaue Unterschied zwischen Schlittenhundetouren und Huskytouren?
Huskytouren sind auch Schlittenhundetouren, allerdings werden sie mit Alaskan oder Sibirischen Huskys gefahren. Vor allem die üblicheren Alaskan Huskys sind eine eher moderne Züchtung, die auf schnelles und ausdauerndes Rennen vor dem Schlitten gezüchtet wurde. Dabei sind viele historisch wichtige Eigenschaften auf der Strecke geblieben, die sich noch heute in unseren Urhunden wiederfinden lassen. Dazu gehören beispielsweise ein extrem dichtes Fell, das den Hunden auch bei Temperaturen unter -40 Grad das Auskommen ohne zusätzliche Jacken oder Decken ermöglicht, ein robuster Magen, der auch dauerhaft gefrorene Mahlzeiten verdauen kann, sowie ein riesiger Kampfgeist, der es uns ermöglicht, mit unseren Hunden auch problemlos durch widrige Bedingungen in Schnee und Kälte zu gelangen.
Das Rudel besteht aus ...
... reinrassigen Grönlandhunden. Sie sind die älteste Hunderasse der Welt und haben sich in der Vergangenheit auf zahlreichen Polarexpeditionen immer wieder als die besten Überlebenskünstler bewiesen. Schon Roald Amundsen und Fridtjof Nansen vertrauten diesen einzigartigen Begleitern immer wieder ihr Leben an.
Wie viele Hunde hast du und was bedeutet dir dein Rudel?
Wir haben 17 Hunde, die in kleineren Gruppen zusammenleben. Dieses Rudel zu leiten und mit jedem einzelnen Hund mein Leben zu teilen, bedeutet mir alles. Deshalb setze ich mich jeden Tag dafür ein, dass meine Hunde das für sie bestmögliche Leben führen können.
Was ist dir besonders wichtig im Umgang mit den Tieren?
Gegenseitiger Respekt und die Anerkennung jedes einzelnen Tieres sind mir besonders wichtig. Jeder Hund hat einen eigenen Charakter und individuelle Bedürfnisse, die es zu erfüllen gilt. Eine geeignete Unterbringung und Versorgung ist dabei selbstverständlich.
Was können unsere Gäste bei einer Tour mit dir erleben?
Auf unseren Touren lässt sich die Verbindung zwischen Mensch, Tieren und Natur besonders gut spüren. Wir bewegen uns abseits der großen Touristengebiete durch Wälder und Gebirgsregionen. So können wir uns ohne viel Ablenkung ganz auf unser Gespann und die Umgebung konzentrieren und diese erleben.
Für wen sind die Touren geeignet? Muss man sportlich oder besonders mutig sein?
Da wir die Touren und Tagesetappen an die Bedürfnisse der Teilnehmenden anpassen, sind durchschnittliche Ausdauer und Kondition ausreichend. Noch wichtiger sind Teamgeist und die Bereitschaft, zum Gelingen der Tour beizutragen. So schaffen wir es, einzigartige Erlebnisse zu schaffen. Solltest du dir unsicher sein, ob du einen eigenen Schlitten fahren kannst, können sich auch zwei Personen einen Schlitten teilen und die Tour gemeinsam meistern.
Gibt es einen besonderen Moment oder ein Erlebnis auf einer Tour, das du nie vergessen wirst?
Grundsätzlich ist mein Lieblingsmoment, wenn ich alle Menschen und Tiere wohlbehalten wieder ins Camp gebracht habe und gemeinsam mit den Gästen zu Abend esse.
Ansonsten ist mir noch ein überraschender Schneesturm in den Bergen stark in Erinnerung geblieben. Alle haben gemeinsam an einem Strang gezogen, und Gäste, Hunde und ich sind nachmittags wohlbehalten am Ziel angekommen. Die Strapazen hatten alle an ihre Grenzen gebracht, doch das anschließende Gemeinschaftsgefühl war unbeschreiblich. Reine Glücksgefühle durchzogen jeden von uns und wir hatten anschließend einen wundervoll ausgelassenen Abend am Feuer.
Was ist für dich das Schönste daran, anderen Menschen die schwedische Wildnis näherzubringen?
Am meisten erfüllt mich, wenn meine Gäste ihre Komfortzone verlassen und sich auf Neues einlassen. Vor allem unsere weitreichenden Schneelandschaften begeistern die Teilnehmenden immer wieder. Ein wichtiger Teil der Erfahrung ist auch, sich der unberührten Natur unterzuordnen und anzupassen, statt unsere Umgebung immer künstlich an uns anzupassen.
Wie sind die Gäste im Camp Thrymheim untergebracht?
Als Gast wohnst du in unserer frisch renovierten Tourhütte, die in Sichtweite der Hunde steht. Die Hütte bietet Platz für maximal vier Gäste und verfügt über Strom, WLAN, fließendes Wasser sowie ein Bad mit Dusche.