West Highland Way – auf geht´s in die Highlands!

Im Juli ging es für mich mit 9 Gleichgesinnten auf nach Schottland. Der Plan: Gemeinsam den wohl bekanntesten Fernwanderweg Schottlands erkunden – den West Highland Way. Fotos von der wunderschönen Landschaft hatte ich schon zu Genüge gesehen, jetzt hieß es Wanderschuhe an und selbst erkunden.

West Highland Way – auf geht´s in die Highlands!
Blick auf Loch Lomond am West Highland Way

Die Etappen des West Highland Way

Der West Highland Way verläuft auf 154 km von den schottischen Lowlands bei Glasgow bis nach Fort William in den Highlands. Die meisten Wanderer teilen sich die Strecke in 8 Etappen auf, man kann aber auch flexibel mehr oder weniger Tage unterwegs sein. Uns standen 7 Tageswanderungen bevor, da wir die ersten paar Kilometer übersprungen haben.

Startpunkt war für uns der kleine Ort Balmaha am Loch Lomond, dem größten See Schottlands. Vom benachbarten Conic Hill genossen wir den fantastischen Ausblick über den See, bevor uns das Seeufer nach Rowardennan führte. Die vielen Badebuchten und kleinen Strände boten nicht nur schöne Aussichten auf den See, sondern sind auch perfekt für einen Sprung ins kühle Nass.

Auch die nächste Tagesetappe verlief größtenteils am Ufer des Loch Lomond. Etwa nach der Hälfte passierten wir Inversnaid mit einem Wasserfall und einer Einkehrmöglichkeit für erschöpfte Wanderer. Auf einem etwas anstrengenderen Weg über Felsen und Wurzeln ging es weiter bis zum nördlichen Ende von Loch Lomond und nach Inverarnan.

Hier tauschten wir das Seeufer der letzten Tage gegen das Flussufer des River Falloch. Wasserfälle und Stromschnellen bieten guten Pausenspots, während das weite schottische Farmland, das wir passierten, den Blick in die Ferne zieht. Farmland bedeutet hier nicht, dass sich Weide an Weide reiht, sondern das Gebiet ist weitläufig abgezäunt und man trifft nur vereinzelt auf Schafe und Rinder.

Impressionen vom West Highland Way

Auf alten Militärwegen verläuft der West Highland Way weiter nach Inveroran. Ursprünglich wurden die Wege im 18. und 19. Jahrhundert erbaut, damit die britischen Truppen die wilden Highlands besser und schneller durchqueren konnten. Heute werden die Wege zwar nicht mehr militärisch genutzt, es freuen sich aber viele Wanderer über die ausgebauten Pfade. So langsam zeichneten sich höhere Berge im Hintergrund ab und das Gefühl, mitten in den Highlands zu sein, verfestigte sich.

Am nächsten Tag wartete eine neue Landschaft auf uns. Über einen gepflasterten Weg ging es sicher quer durch das Rannoch Moor. Hier ist die Einsamkeit der schottischen Highlands quasi greifbar. Außer anderen Wanderern und ein paar Tieren sahen wir für mehrere Stunden nur das flache Moor und das Gebirge im Hintergrund und genossen die angenehme Stille der Landschaft. Am Ende der Wanderung wurden wir mit ersten Blicken in das berühmte Tal Glen Coe belohnt.

Von Kingshouse aus dauerte es nicht lange bis wir zum Devil’s Staircase – der Teufelstreppe – kamen. Der Aufstieg hier ist zwar steil, aber gut machbar. Und wer unterwegs eine Pause braucht, genießt einfach den Ausblick in das wunderschöne Glen Coe. Oben angekommen hatten wir den höchsten Punkt des West Highland Ways erreicht. Der Abstieg verlief gemächlich durch die hüglige Landschaft mit Blick auf die Berge im Hintergrund.

Und schon stand die letzte Etappe auf dem Programm. Von Kinlochleven aus wanderten wir erst aufwärts und blickten zurück auf den Ort am Ostufer von Loch Leven. Durch das Glen Nevis ging es weiter und der höchste Berg Großbritanniens, der Ben Nevis, gelangte in unser Blickfeld. Nach einem letzten Abstieg erreichten wir die Ziellinie des West Highland Way ins in Fort William.

Landschaft satt in den schottischen Highlands

Hotels & Verpflegung am West Highland Way

Auf dem Weg gibt es in regelmäßigen Abständen Einkehrmöglichkeiten und Unterkünfte. Von einfachen Campingplätzen bis zu alteingesessenen Hotels ist alles dabei. Trotzdem sollte man besonders in der Hochsaison seine Übernachtungsplätze schon vorab buchen. Wir übernachteten mit unserer Gruppe in Hotels mit schottischem Charme. Teppichböden – ob man sie mag, ist jedem selbst überlassen – sind Standard in den Hotels, ebenso wie ein Wasserkocher auf dem Zimmer, um sich jederzeit einen Kaffee oder Tee zubereiten zu können. Die Hotels sind eher einfach, aber für eine entspannte Nacht nach einer tagesfüllenden Wanderung ausreichend.

Frühstück und Abendessen gab es jeweils im Hotel. Hier wurden wir mit vielen typisch schottischen Leckereien verwöhnt. Auch wenn ich Haggis (das Nationalgericht der Schotten) anfangs kritisch gegenüberstand, überzeugten sie mich geschmacklich dann doch. Wer nicht direkt das volle Risiko eingehen will, kann sie in vielen Restaurants auch als Vorspeise bestellen oder beim schottischen Frühstücksbuffet eine kleine Portion probieren.
Tagsüber finden sich immer wieder schöne Picknickplätze am Wegesrand oder ein einladendes Café, um die Energiespeicher wieder aufzufüllen.

Beispielhotels entlang des West Highland Way

Wetter in Schottland

Ja, wir sind in Großbritannien. Niemand sollte mit der Erwartung nach Schottland reisen, einen komplett sonnigen Urlaub zu haben (obwohl manchmal auch in Schottland zwei Wochen am Stück die Sonne scheint). Das Wetter ist aber auch nicht so usselig, wie oft gesagt wird. Auch wenn man die Regenjacke auf jeden Fall dabeihaben sollte, braucht man sie nicht jeden Tag.
Wir hatten bis auf einige kurze Schauer und einen verregneten letzten Tag bestes Wanderwetter. Bei knapp über 20 Grad waren die Tageswanderungen angenehm, die Sonne blinzelte ab und zu durch die Wolken und man musste sich keine Sorgen um einem Sonnenbrand machen. Und irgendwie gehören so ein paar Wolken doch auch zur mystischen Stimmung der Highlands dazu 🙂

Ich kann abschließend nur sagen, dass ich meine Zeit auf dem West Highland Way sehr genossen habe und mich schon auf meine nächste Schottlandreise freue!

Eure Laura

P.S.: Wenn ihr lieber in eigenem Tempo wandert, statt in der Gruppe – Schottland bieten wir auch INDIVIDUELL an 😉