Wanderreise Namibia zu Fuß

Ich melde mich aus Namibia. Seit Mitte September bin ich mit einer Reisegruppe unterwegs um dieses Land zu Fuß zu erkunden, es ist bisher ein Reiseerlebnis der ganz besonderen Art, aber halt, ich muss vorne beginnen.

Vergangenes Jahr konnte ich das Land Südafrika zu Fuß erleben und diese gelungene Kombination aus Rund- und Wanderreise ließ in mir den Wunsch reifen auch das Nachbarland Namibia auf diese Art und Weise zu erkunden. Wie wunderbar, wir bieten auch die Wanderreise Namibia zu Fuß an. Also habe ich die Teilnahme angefragt und mir wurde prompt eine Zusage hierfür erteilt und nun bin ich hier. Lucky me! Glückspilz, könnte man auch sagen.

Die Reise beginnt mit tierischen Begegnungen!

Am 15.09. bestieg ich mit acht Gästen den Flug von Frankfurt nach Windhoek und gute zehn Stunden später holte uns Frank, unser Reiseleiter mit unserem Fahrer Erens, am Flughafen ab. Es war später Abend und so ging es erstmal ins Hotel und wir erholten uns von der Anreise. Am nächsten Morgen brachen wir früh auf um in den Norden zu fahren, die ersten zwei Tage verbrachten wir mit Safarifahrten im Etosha Nationalpark um wilde Tiere zu beobachten, wir waren sehr erfolgreich und konnten bereits am ersten Nachmittag jede Menge Tiere sehen.

Was gab es nicht alles zu bestaunen in Namibias tierreichstem Park, wir kamen uns vor wie in der Arche Noah. Schmusende Löwenpärchen am Wasserloch oder die Giraffen, mit Nachwuchs. Es ist sehr erstaunlich eine Babygiraffe mit Mutti zu sehen, die zwar drei Köpfe kleiner ist aber immer noch in den Himmel zu ragen scheint.

Zebras, auch mit ihren Jungen und die stehen ja nie still und huschen immer durcheinander das man vor lauter Streifen Seekrank werden könnte. Dann die erstaunlichen und elegantem Oryx Antilopen, die sind wirklich wunderschön anzusehen und die stehen ausnahmsweise auch mal still.

Springböcke gab es auch jede Menge. Hatte ich Gnus bereits erwähnt, nein? Waren auch da. Dann natürlich Schakale und Tüpfelhyänen, klar, töröö war auch unterwegs. Unfassbar wie gut die Dickhäuter getarnt sind so dass man sie, trotz ihrer gewaltigen Größe, schnell übersehen kann, ich rede jetzt von Elefanten. Einfach großartige Geschöpfe die sich so leise bewegen, das möchte man ihnen gar nicht zutrauen.

Dies ist jetzt nur ein Auszug unserer Tierbeobachtungen denn es gab noch so viel mehr Wildtiere zu erspähen, Strauße, Erdhörnchen, Adler, Ameisen, Termitenbauten, Webervögel und ihre imposanten Nestbauten und und und… Frank, unser Reiseleiter, kam kaum noch hinterher mit Erklärungen, einfach klasse der Mann. Dies waren also die Erlebnisse der ersten Tage dieser Reise und wir waren bereits völlig begeistert.

Unsere Unterkünfte auf der Tour

Unsere Unterkunft, die Toshari Lodge, am Rande des Nationalparks, war ein Traum. Jeder hatte eine kleine, voll ausgestattete Hütte für sich und gegessen wurde draußen in großen Partyzelten. Es gab gegrilltes Wildfleisch und ein Buffet, mehr als genug Auswahl und Wokgemüse wurde auf Wunsch vor Ort bereitet. Also, eine perfekte rundum Versorgung wie sie im Buche steht.

Unsere folgende Unterkunft wusste dies aber noch zu toppen. Nach zwei Nächten fuhren wir weiter, vom Norden südwestlich nach Palmwag. Dort sollten wir dann endlich auf die versprochenen Wanderungen gehen, derentwegen ich ja dieses Programm für mich erkoren hatte. Überraschend gebirgig nahm sich die Region aus, hatte ich selber doch die Vorstellung, das Namibia eher flach sein müsste wurde ich nun vom Gegenteil überzeugt…

Wie erwähnt, wir sind in dem kleinen Ort Palmwag. Man sollte vielleicht nicht unbedingt von einem „Ort“ reden oder was wir allgemein mit dem Begriff verbinden, sich darunter vorstellen. Eine winzige Ansammlung von kleinen Häusern, mehr nicht.

Umgebung der Palmwag Lodge
Umgebung der Palmwag Lodge

Die gleichnamige Lodge liegt am Rande eines Trockenflussbettes. Hä? Trockenflussbett? Also, Fluss oder trocken, entscheiden Sie sich doch bitte mal. Etwas, das man in Namibia oft sieht sind eben solche Trockenflussbetten oder -läufe und dies lässt sich einfach erklären.

Regen ist hier so häufig wie in Deutschland reibungslos funktionierende Hauptstadtflughäfen oder preiswerte Philharmonie-Gebäude.

Theoretisch ja, praktisch nein. Obwohl, es regnet häufiger in Namibia als…, lassen wir das. Also, wenn es regnet fließt das Wasser eben durch solche Flussbetten, jedoch ist der Regen zu selten, als dass diese permanent Wasser führen. Es hält sich jedoch immer etwas Feuchtigkeit und deshalb sind manche dieser trockenen Flüsse wie Oasen und es grünt, es wachsen Palmen und hohe Gräser und dies ist natürlich bevorzugter Siedlungsraum für Mensch und Tier.

In genau einer solchen „Oase“ hielten wir uns drei Tage auf und unternahmen zwei tolle Wanderungen, eine entlang und durch das Trockenflussbett. Gesäumt von spärlicher Vegetation im Umfeld des Flussbetts wurden uns die verschiedenen Wolfsmilchgewächse und deren Funktion im Ökosystem erklärt. Wir erfuhren einiges über den „wart-ein-bisschen“ Baum oder Strauch. Dieser wird deshalb so genannt, weil die Dornen wie Widerhaken gebogen sind und man sich nur äußerst mühevoll wieder von Ihnen lösen kann wenn man daran hängen bleibt. Dann gibt es den Stinkebaum. Der fängt gerade in dieser Jahreszeit an zu stinken, er entwickelt also einen aasähnlichen Geruch, der wiederum Fliegen anlockt, die eine wichtige Rolle bei der Bestäubung übernehmen, Wahnsinn was die Natur sich alles einfallen lässt. Und, glaubt es oder nicht, das Teil stinkt wirklich erbärmlich.

Jogging am Rande des Nationalparks?

Puh, ganz schön viel was uns der Frank den ganzen Tag zu den Pflanzen und Tieren zu erzählen wusste. Und auch hier, obwohl kein Nationalpark oder privates Tierresort, hüpften die Springböcke, wuselten Zebras und beäugten uns Giraffen von oben herab. Die wohnen halt hier und das machte die Wanderungen natürlich gleich doppelt spannend. Denn, wo Löwenfutter rumkaspert sind die Raubkatzen oft nicht weit. Hierzu sei folgende Anekdote erzählt.

Weil bei Wikinger ja durchweg fitte bis sportliche Gäste reisen, hatten nach der ersten kleinen Wanderung drei Gäste die Idee in der Umgebung noch ein wenig Joggen zu gehen. Gut, kann man machen, ist aber nicht ganz ohne. Gesagt getan, die Sportschuhe geschnürt und ab die Post. Nach einigen Metern zügigen Laufens wurden sie von einem Ranger, der ihnen in seinem Jeep entgegen kam, gestoppt und freundlich aufgefordert, die Aktivität bitte umgehend einzustellen denn er käme gerade von einer Kontrollfahrt und hatte die Löwen beobachtet, die mittels Satellitenüberwachung immer genau lokalisiert und getrackt werden können und die seien derzeit in der Nähe. Ups. Erst wollte man ihm nicht so recht Glauben schenken aber die Vehemenz seiner Worte führte schließlich dazu, dass sich die Drei zu einer Umkehr überreden ließen und mehr oder weniger vom Begleitfahrzeug zur Lodge eskortiert wurden.

Frank, unser Reiseleiter, staunte nicht schlecht als er kurz darauf von dem Trimm-dich Ansinnen erfuhr und mahnte uns beim Abendessen nochmal, diese Umstände nicht zu unterschätzen, denn flitzende Touristen stehen zwar nicht unbedingt auf dem Löwen-Speiseplan aber man könne nie wissen. Es wurde in Zukunft dann nur noch nach Rücksprache gejoggt.

Die zweite Wanderung unternahmen wir etwa 70 km nördlich von Palmwag entfernt.

Dazu fuhren wir mit unserem Safarifahrzeug, ein umgebauter Lkw mit Passagierkabine, ähnlich wie ein Reisebus nur besser geeignet für die hiesigen Schotterstraßen, etwa eine Stunde bis zur Khowarib Schlucht. Hier wanderten wir entlang eines Flusses, der permanent Wasser führt da dieser Fluss von einer Quelle gespeist wird und der Wasserstand somit nicht von Niederschlägen abhängig ist. Wieder eine andere Landschaft denn der Lauf führt durch eine enge Schlucht und nicht über oder durch offenes Gelände wie in Palmwag.

Wanderung am Fluss in der Khowarib Schlucht
Wanderung am Fluss in der Khowarib Schlucht

Unsere Wanderung dauerte etwa vier Stunden und es war wirklich toll und ein anderes Gefühl entlang eines Gewässers zu gehen. Hier begegnete uns auch kein Großwild, das lebt ja in den offenen Flächen, dafür aber Paviane. Auch nicht schlecht. Hernach fuhren wir wieder zurück nach Palmwag und schliefen ein letztes Mal dort, bevor wir unsere Reise nach Süden fortsetzten.

Tolle Ausblicke in der Khowarib Schlucht
Tolle Ausblicke in der Khowarib Schlucht

Twyfelfontein und Berg(massiv) Namibias, dem Brandberg

Der kommende Tag war dann wieder ein Fahrtag, der aber einige Besonderheiten für uns bereit hielt und diesen so abwechslungsreich gestaltete. Unser erster Halt war in Twyfelfontein, der zweifelhaften Quelle weil diese nicht immer gleich viel Wasser spendet. Aber dies war nicht der Grund für unseren Stop, denn es gab dort Jahrtausende alte Felsgravuren zu bestaunen, deren Ursprung man auf die nomadisierenden Volksgruppen der San und der Damara zurückführt. Immerhin UNESCO Weltkulturerbe. Was der genaue Sinn und Zweck der Gravuren ist, darüber lässt sich vortrefflich spekulieren. Verfügen die genannten Volksgruppen leider nicht über eine Schriftsprache und somit fehlen wissenschaftlich fundierte Belege, aber man ist sich sicher, dass dies u.a. eine mythologische Bedeutung haben muss. Weiter fuhren wir zum höchsten Berg(massiv) Namibias, dem Brandberg zur White Lady Lodge. Aber nicht ohne unterwegs den versteinerten Wald zu bestaunen.

Trockenflussbett in der Khowarib Schlucht
Überlebenskünstler in der Khowarib Schlucht

Unterwegs in wilder Natur

Der nächste Tag stand dann wieder im Zeichen einer Wanderung, wieder durch ein Trockenflussbett zum Fuße des Brandbergs. Dieses Granitmassiv erreicht satte 2540 m ü. NN war aber nicht das Ziel. Frank erklärte uns, dass die Besteigung des Monoliths mit Auf- und Abstieg an einem Tag nicht zu machen sei und man dafür am Berg übernachten müsse, was ausschließlich den heißen Witterungsbedingungen geschuldet sei. Hier schauen wir uns nun Felsmalereien an, die berühmteste Zeichnung dort wird White Lady genannt, zeigt aber einen Krieger und keine Frau. Unterwegs hatten wir noch eine Begegnung der grauen, dickhäutigen Art. Ein alter, einsamer Elefantenbulle knusperte in einiger Entfernung, vielleicht fünfzig Meter entfernt, sein Grünzeug und ließ sich aber von uns nicht weiter stören.

Nach der Wanderung und der Besichtigung der Felsmalereien führte uns die Reise weiter nach Omaruru, in das gleichnamige Guesthouse. Hier blieben wir dann zwei Nächte…
Neugierig geworden? Hier geht’s zur Reise!
Bis bald, Euer Patrick

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