Auf Draculas Spuren – Eine Reise nach Rumänien

Transsilvanien, die Walachei oder das Buchenland – Orte von denen ich zwar gehört habe, meist aber eher in Verbindung mit Sprichwörtern und Sagen. Selten trifft man jemanden, der tatsächlich in Rumänien war. So begab ich mich auf eine Reise zu den Ursprüngen des Dracula-Kultes, eine Reise voller Geheimnisse und Mythen.

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A Smile from Transylvania

Schaut man in die Regale von Buchhandlungen, sind Reiseführer über Rumänien noch eher selten anzutreffen. Georgien erlebte den Boom vor etwa 6 Jahren, aktuell ist Albanien eines der beliebtesten Reiseziele in Osteuropa. Nach Rumänien trauen sich nur wenige, bzw. können sich vorstellen, ihren Urlaub dort zu verbringen. Vielleicht liegt dies auch an den negativen Vorurteilen, die wir über Rumänien im Kopf haben. Unsere Reiseroute sollte mich eines Besseren belehren. Rumänien ist einmalig, gastfreundlich, historisch und mit einer ursprünglichen Natur gesegnet. Die perfekten Zutaten für einen Wanderurlaub erster Klasse!

Rumäniens Hauptstadt

Wir reisten nach Bukarest an, der Hauptstadt Rumäniens. Eine moderne Metropole, deren Architektur sich zwischen futuristischen Hochhäusern, kommunistischen Betonbunkern und Jugendstilpalästen bewegt. Ein multikultureller Hotspot und wirtschaftliches Zentrum des Landes. Auf einem Stadtrundgang entdeckten wir die vielseitigen Facetten Bukarests und das zweitgrößte Gebäude der Welt, den Parlamentspalast. 1.000.000 m³ weißer Siebenbürger Marmor, 700.000 t Stahl und Bronze, 900.000 m³ Holz, 3500 t Kristallglas und 200.000 m² Samt- und Brokatvorhänge wurden nach den Vorstellungen des Diktators Ceaușescu zu dem monumentalen Koloss verbaut.

Auf in die Karpaten!

Raus aus der Stadt, rein in die Natur und rauf auf die Berge. Die Karpaten werden gerne als die natürliche Krone Rumäniens bezeichnet. Zu Recht! Am Fuße des Königssteingebirges wanderten wir durch Schluchten, Wiesen und Wälder. Feuersalamander und wilde Orchideen säumten den Weg. Wir begegneten selten anderen Menschen. Wenn, dann waren es Einheimische. Touristen? Fehlanzeige! Welch ein Genuss.

Selbstverständlich steht auch das Schloss Bran auf unserer Besichtigungsliste, der angebliche Sitz von Dracula. Schade nur, dass der irische Autor Bram Stoker nie selbst einen Fuß nach Rumänien gesetzt hat. Vielleicht hätte sein Kult-Roman, dann noch eine ganz andere Wendung genommen. Das Schloss ist auf jeden Fall sehr sehenswert, wenn auch ziemlich touristisch.

Orthodoxes Klosterleben

Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir im Kloster Neamt in der Region Moldau. Eine einmalige Erfahrung und sehr eindrucksvoll. Bruder Antonius erzählte uns viel über die Geschichte des Klosters, als auch den orthodoxen Glauben. In der Region gibt es viele weitere Klöster, die wir auf unseren Wanderungen kennenlernten.
Die Klöster in der Region Bukowina (Buchenland) sind noch spektakulärer. Deren Fassaden sind von außen komplett mit Szenen aus der heiligen Schrift bemalt, einmalig in Europa und somit UNESCO-Kulturerbe. Am schönsten ist mir das Kloster Voronet in Erinnerung geblieben, auch bekannt als die „sixtinische Kapelle des Ostens“. Die Region zeichnet sich auch besonders durch die kunstfertige Eierbemalung aus. Mit gefärbtem Wachs werden ausgeblasene Enten- oder Gänseeier filigran bemalt. Ein tolles und nachhaltiges Souvenir!

Auf Heimatsuche in Siebenbürgen

Unsere Reiseroute führte uns wieder nach Transsilvanien, in die siebenbürgische Stadt Schäßburg. Wir erkundeten den mittelalterlichen Ortskern mit zahlreichen, gut erhaltenen Häusern und spürten der Geschichte nach. Vom Stundturm aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die komplette Altstadt und die grünen Hügel der Umgebung. Zum Abendessen kehrten wir auf einer der zahlreichen Terrassen ein und genossen eine traditionelle Hirtenspeise: Polenta mit Schafskäse und Speck. Einfach aber sehr schmackhaft. Freunde der deftigen Küche kommen in Rumänien auf jeden Fall auf Ihre Kosten.

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Der Stundturm in Schäßburg

Sibiu war Kulturhauptstadt 2017 und ist nach Schäßburg eine weitere siebenbürgische Stadt in Rumänien, die wir besichtigten. Bekannt als kulturelles Zentrum und Standort einer der ältesten Universitäten des Landes, lockt Sibiu jedes Jahr zahlreiche Besucher aus nah und fern an. Das fast mediterrane Klima, die malerischen Gassen und zahlreichen Plätze vermitteln einem das Gefühl, als sei man in Italien. Auch hier lernten wir auf einem geführten Stadtrundgang die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennen, bevor wir uns auf eigene Besichtigungstour begaben. Sehr zu empfehlen ist das Brukenthal-Museum (fakultativ), welches einen guten Überblick über den Lebenswandel der wohlhabenden Siebenbürger Sachsen, als auch zeitgenössische rumänische Kunst gibt.

Ein letztes Mal Bergluft…

Bevor wir unsere Heimreise antraten, unternahmen wir eine letzte Wanderung in den Südkarpaten. Ein schöner Waldweg führte uns zunächst gemächlich aufwärts, dann ging es etwas steiler über Almwiesen und durch Heidekraut hinauf zu unserem anvisierten Gipfel. Wir genossen die letzten Ausblicke auf schneebedeckte Gipfel und die unglaubliche Ruhe und Unberührtheit der rumänischen Bergwelt.

Mein Fazit: Wer eine gute Mischung aus kulturellen Besichtigungen und mittelschweren Wanderungen in alpiner Landschaft sucht ist in Rumänien genau richtig. Noch befindet sich das Land im Wandel. Unterwegs sieht man sowohl traditionelle Dorfbewohner mit Pferdekarren und Handpflügen, aber auch moderne Metropolen mit Hochhäusern aus Stahl und Glas. Gerade diese Vielfalt, als auch die wenigen Touristen geben einen authentischen Einblick in das Land. Hier geht´s zur Reise!

Eure Nicole