Reisen zu den Polarlichtern

Wenn man im Internet die Top 10 der Naturschauspiele abruft, dann stehen Reisen zu den Polarlichtern ganz oben. Noch vor den Niagarafällen, den Vulkanen und Geysiren und auch vor den „Big Five“ in Afrika, von der Sonnenfinsternis ganz zu schweigen.

Als ich mit Wikinger Reisen auf einer Zeltreise rund um Island unterwegs war, bat ich darum, mich zu wecken, sobald jemand nachts Polarlichter zu Gesicht bekäme. Leider blieb der Weckruf aus, obwohl man mir glaubhaft versicherte, dass das Schauspiel am Himmel zu sehen war. Schade, einfach verschlafen! Und ausgerechnet jetzt war man dem nördlichen Polarkreis so nahe! Es war noch Spätsommer, eher ungewöhnlich, aber auf der Digitalkamera wurden mir am Tag drauf entsprechende Schnappschüsse und Kurzvideos, begleitet von begeisterten Schwärmereien, präsentiert. Ja, toll! Im Fernsehen oder in einschlägigen Youtube-Kanälen sind die tanzenden Schwaden zwar ohnehin zu bestaunen. Aber das selbst einmal erleben zu können, muss eine einmalige und wunderbare Erfahrung sein. Seitdem gehört es zu meiner persönlichen Bucketliste, Polarlichter live in Augenschein zu nehmen.

Das will ich unbedingt schaffen!

Polarlichter am Markarfljótsgljúfur Canyon in Island
Polarlichter am Markarfljótsgljúfur Canyon in Island

Was sind eigentlich Polarlichter?

Die sogenannte Aurora Borealis entsteht, indem elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in der Hochatmosphäre der Erde treffen. Gewiss gibt es darüber hinaus etliche profunde wissenschaftliche Erklärungen. Die sind für mich jedoch eher zweitrangig. Ich möchte Polarlichter zu sehen bekommen und bestaunen, wie vorrangig grüne Bänder weltumspannend am Himmel wabern, oder als Vorhänge, als diffuse Fläche oder pulsierende Bögen. Sie können als natürliches Feuerwerk aber auch in rot, blau, violett und anderen Farben auftreten. Sollten die Aktivitäten der Sonnenwinde besonders heftige elektromagnetische Teilchen über der Erde verursachen, so kann es lokal zu Stromausfällen kommen. Da die Lichtspiele Funksignale stören können, zwingen sie Flugzeuge gelegentlich, in geringerer Höhe zu verkehren. Man kann sich unschwer in die Lage der Menschen vor langer Zeit versetzen, wie sich viele Mythen, Sagen und Legenden um den Auftritt von Polarlichtern rankten, deren Entstehung der Götterwelt zugesprochen wurde. Heute sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse unstrittig, auch wenn die Forschung noch Geheimnisse in sich birgt.

Wie man allerdings Polarlichter am verlässlichsten zu sehen bekommt, sollte man allerdings wissen.

Der Kirkjufell auf Island umschmückt von dem Naturschauspiel
Der Kirkjufell auf Island umschmückt von dem Naturschauspiel

Wo kann man Polarlichter überhaupt entdecken?

Da die Polarlichter an den Polen der Erde entstehen, ist es für uns auf der Nordhalbkugel ratsam, die nördlichen Gefilde aufzusuchen. Also findet man am besten das Licht am Nordhimmel von Skandinavien, Island, Grönland, Kanada, Alaska, Nordsibirien und Nordschottland. Bei der Länderwahl sind der Vorlieben keine Grenzen gesetzt. Die einen schwören auf Spitzbergen – je nördlicher, desto sicherer. Andere lieben zum Nordlicht die felsige Kulisse der Lofoten oder der Fjordlandschaft in Nordnorwegen oder die stimmungsvolle Einsamkeit in Lappland. Auch das dünn besiedelte Island beflügelt die Fantasie, wo im Gebiet der Trolle kein künstlicher Lichtmüll das natürliche Lichtspiel beeinträchtigt. Dass Polarlichter auch in unseren Breiten oder in Südeuropa gesichtet werden, passiert äußerst selten. Auf der Südhalbkugel ist es entsprechend: je näher zum Südpol, desto verheißungsvoller. Das Polarlicht wird dort folgerichtig Südlicht (Aurora Australis) genannt. In jedem Fall sollte man den jeweiligen Polarkreisen näherkommen.   

Die ersten Polarlichter von zwei Wikinger-Gästen in Norwegen
Die ersten Polarlichter von zwei Wikinger-Gästen in Norwegen

Wann sollte ich mich auf den Weg machen?

Die besten Chancen, Polarlichter zu sehen, ergeben sich zwischen Oktober und März, also im Winterhalbjahr. Dazu gibt es auch im September und April gute Möglichkeiten. Mit den Hurtigruten z. B. lässt es sich bequem auch in der leisen Jahreszeit reisen. Die höchsten Aktivitäten des Lichtspektakels ergeben sich während der beiden Tagundnachtgleichen.

Polarlichter in Lappland, der nördlichsten Region Finnlands
Polarlichter in Lappland, der nördlichsten Region Finnlands

Muss das Wetter mitspielen?

Da das Schauspiel in den höheren Regionen der Erdatmosphäre entsteht, braucht man einen möglichst wolkenlosen Himmel, also auch etwas Glück mit dem Wetter. Etwas, was sich am wenigsten beeinflussen lässt. Und Geduld. Um eine möglichst ungestörte Darbietung zu erhalten, sollte man wie bei der Sternenbeobachtung die ablenkende Helligkeit von Städten und Dörfern vermeiden.

Tromsø fasziniert mit aufflackernden Nordlichtern
Tromsø fasziniert mit aufflackernden Nordlichtern

Nach meiner Überzeugung lohnt es sich für Naturliebhaber allemal, nach Polarlichtern Ausschau zu halten. Je mehr man die oben genannten Kriterien beachtet, desto größer ist die Chance, dieses Spektakel zu erleben. Rentiere vor Polarlichtern oder sich dabei an eine isländische Saga erinnern? Eine weitere unschlagbare Kombination. Manche mögen die Fotos und Filme stolz zu Hause präsentieren. Aber nichts kann die Erfahrung übertreffen, ohne Druck das atemberaubende Schauspiel selbst einfach für sich in der freien Natur zu bewundern, und das in der Ehrfurcht vor der wunderbaren Schöpfung, die an sich vollkommen ist. Bewundern auch in dem Bewusstsein, dass der Mensch alles dransetzen muss, diese Schöpfung zu bewahren und nicht weiter zu beschädigen.

Wie steht es mit euch? Wann geht ihr zur Jagd auf die Polarlichter? Vielleicht treffen wir uns mal beim Erfüllen der persönlichen Bucketliste!

Euer Rainer   

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