Reisebericht Island – die vier schönsten Nationalparks

Sören Felsch
Sören Felsch

Als ich meinen Freunden und Verwandten erzählte, dass ich für 2 Wochen nach Island fliege und in einem Zelt schlafen werde, war die Reaktion fast immer dieselbe: „Hey cool, aber im Zelt? Das nennt Du Urlaub?“ Mehr als nur einmal habe ich mir übrigens dieselbe Frage gestellt.

So zog ich also Anfang Juli los um meine erste Wikinger Tour zu machen.

Am Flughafen noch schnell 2 Flaschen Whiskey für unseren Mann vor Ort gekauft, und dann am Gate bereits die ersten Bekanntschaften mit meinen Mitreisenden gemacht, kann vielleicht daran liegen, dass ich eine Wikinger Weste anhatte.

„Ach du bist aus dem Innendienst…?“

Auf Island angekommen zeigte sich schnell, welches Kleidungstück ich in den nächsten 2 Wochen wohl am meisten zu schätzen lernen würde: meine dicke Jacke.

Am Flughafen wartete bereits unsere Reiseleitung, Vera Krömer, auf uns und hieß uns willkommen.Vollkommen euphorisch aber auch schon ziemlich müde bestiegen wir den Bus und fuhren nach Reykjavik.

Zelten in Island

Als wir auf dem Zeltplatz ankamen hieß es dann „sucht euch ein Zelt und versucht zu schlafen“, was nicht ganz einfach war, da es ja überhaupt nicht dunkel war und die Vögel dies offensichtlich als Anlass sahen, in Doppelschichten zu trällern.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück lernten wir dann unseren Busfahrer Ole kennen, der in den nächsten Wochen ein wichtiger Teil unserer kleinen Entdeckertruppe wurde. Von Reykjavik ging es also los diese großartige Insel zu erkunden. Wir fuhren über die Ringstraße vorbei an zerklüfteten Lavafeldern,  moosbewachsenen Felsen und Feldern voller lila blühender Lupinen.

Schätze der Südküste

Unseren ersten Stopp machten wir am Seljalandfoss, einem zwar kleinen, aber durch die Möglichkeit hinter Ihm hindurchzugehen, nichtsdestoweniger eindrucksvollen Wasserfall. Weil alles noch so neu und eindrucksvoll war, verschoss ich direkt einen Großteil der mir zur Verfügung stehenden Fotos, aber der Seljafoss ist wirklich jedes Foto wert.

Wasserfall Seljaflandfoss
Wasserfall Seljaflandfoss

Nach einem Besuch des weitaus größeren Skogafoss und dem Eyjafjallajökull-Museum hielten wir kurz am traumhaft schönen Strand von Vík. Durch das Vulkangestein hat sich dort schwarzer Sand gebildet. Zusammen mit dem Meer, von dem ich sowieso ein Riesenfan bin, war dies der nächste atemberaubende Moment. Und es sollten noch so viele folgen.

Skaftafell-Nationalpark

Nach 2 weiteren Stunden über eine schier endlose Sander-Fläche, immer den Vatnajoküll zu unserer Linken, erreichten wir dann unser Camp in Skaftafell. Worte oder Bilder können diesen Anblick nicht beschreiben, ich versuche es trotzdem:

Wenn ich morgens dort aus meinem Zelt kam, fiel mein Blick als erstes auf die höchsten Bergen Islands, zu meiner Linken stieg ein bewaldeter Hügel an, zu meiner Rechten war nichts, was meinen Blick hätte behindern können und zwei Gletscherzungen krochen zwischen den Bergen zu uns herab ins Tal.

Nach der Kennenlernrunde zeigte sich dann, dass die Gäste ebenso interessiert an Wikinger Reisen sind wie ich an ihnen. „und sitzt ihr dann da in so einem riesen Hochhaus…?“ 🙂

Am nächsten Tag stand dann unsere erste richtige Wanderung auf dem Programm. Gut versorgt mit Tee und Brot wanderten wir den Hügel hinauf, besuchten den Svartifoss mit seinem charakteristischen schwarzen Basaltsäulen, wanderten durch isländische Wäldchen und auf einer Sanderfläche wieder zurück zum Camp. Vera verstand es sehr gut, uns die komplizierten Vorgänge im Erdinneren zu erklären, die für die einzelnen Formationen verantwortlich waren und fand immer irgendein besonderes Pflänzchen oder gar „Trollbrot“.

Den Nachmittag hatten wir dann frei, was darin endete, dass wir trotzdem alle gemeinsam wandern gegangen sind, wir wollten ja schließlich unseren „Hausgletscher“ von oben sehen. Am Abend genossen wir dann unsere „einfache warme Hauptmahlzeit“, die alles andere als „einfach“ war, dickes Lob nochmal hier an all unsere Köche!

Eisformation
Eisformation

Am nächsten Tag besuchten wir die Gletscherseen Fjallsarlön und Jökulsarlon die für mich das absolute Highlight dieser Reise waren. Eisbonbon-blaue Gletscherstücke treiben durch einen engen Kanal ins Meer und werden dort von den Wellen wieder zurück an den schwarzen Strand gespült. Eine Szenerie, die fremdartiger und schöner nicht seien könnte. Im Anschluss machte ein Teil der Gruppe, bewaffnet mit Steigeisen und Eispickel, eine Wanderung auf dem Svinsjoküll, einem unserer Hausgletscher, der durch Dreharbeiten von James Bond und Game of Thrones berühmt geworden ist.

Auf geht’s in Hochland

Nach einer stürmischen Nacht verließen wir dann Skaftafell in Richtung Hochland. Nun zeigte sich auch warum wir einen Bus mit so hohem Einstieg hatten, denn wir mussten, begleitet von einem schelmischen Grinsen unseres Busfahrers Ole, das erste Mal furten, d.h. mit unserem Bus einen Fluss durchqueren. Gegen Nachmittag erreichten wir dann Landmannalaugar. Da dort kurz vorher ein Sturm gewütet hatte und die Zelte nicht aufgebaut waren, lauschten wir in unserem Bus einer spannenden CD von Vera über die Isländischen Sagen.

Am Abend genoss ein Teil der Gruppe dann noch die wohl beliebteste Attraktion des Camps, den Hot Pot, eine thermale Quelle aus der unentwegt warmes Wasser strömt.

Am nächsten Tag stand dann die lange Fahrt über die Sprengisandur, die Hochlandpiste an. Sechs Stunden über Schotterpisten waren sicherlich abenteuerlich, man wurde aber oft genug mit spektakulären Ausblicken über das isländische Hochland belohnt. Am meisten Spaß hatte dort aber mit Sicherheit unser Busfahrer. Der Aldeyjarfoss und der Godafoss, zwei einzigartige Wasserfälle, waren unsere nächsten Ziele, bevor wir schließlich am Abend unser Camp am Myvatn erreichten.

Der Mývatn

Der Name Myvatn setzt sich übrigens aus dem Wort Vatn für See und My für Mücke zusammen, und der Name war Programm. Ich will hier sicherlich niemanden abschrecken und daher direkt zu Beginn: diese Mücken stechen nicht. Nichtsdestotrotz sind sie manchmal ein wenig nervig.

Unser Camp lag inmitten eines Lavafeldes aus dem 18. Jahrhundert, welches freundlicherweise nicht nur die Kirche des Dorfes Reykjalið verschonte, sondern auch eine schöne Aussparung für unser Zelt-Dorf hinterlassen hatte.

Am nächsten Tag besuchten wir die Wasserfälle Sellfoss und Dettifoss, und fuhren von dort nach Asbyrgi, einem Tal in Hufeisenform welches derart schön ist, das die alten Wikinger glaubten das dort Ihre Götter wohnen müssten. Uns gefiel es dort besonders gut, da man mal wieder Bäume sehen konnte, obwohl auch diese in Deutschland wohl eher als hoher Strauch durchgegangen wären.

Nach diesem Ausflug und einem kurzen Zwischenstopp an den Steilklippen der Grönlandsee erreichten wir gegen Mittag die kleine Hafenstadt Husavik, wo wir das äußerst empfehlenswerte Walmuseum besuchten. Hier lernten wir viel über die Meeressäuger, die die isländische Kultur so stark beeinflusst haben, dass es dort um Beispiel heißt „Wal gehabt“ wenn man Glück gehabt hat.

Den Abend haben wir dann gemeinsam im Thermalbad „Jarðböðin við Mývatn“ ausklingen lassen.

Island: Die Vulkaninsel

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Vulkanismus. Wir wanderten morgens von unserem Camp in Richtung Hverfjall, ein Pseudokrater, der durch Grundwasser, das auf Magma stieß, in einer gewaltigen Wasserdampfexplosion aufgetürmt wurde. Wir machten uns an den Aufstieg und wurden oben mit einem atemberaubenden Blick über das Gebiet des Myvatn belohnt. Nachdem den Krater halb umrundet hatten stiegen wir wieder hinab und gradewegs auf ein weiteres meiner persönlichen Highlights zu, Dimmuborgir – die dunklen Burgen.

Diese äußerst skurrilen Felsformationen entstanden als sich eine Lavadecke über ein Moor ergoss. Durch die explosionsartigen Wasser Verdampfungen entstanden Türme und Schlote, die auch mit wenig Phantasie aussehen wie eine verlassene Burgruine. Diese schroffen Gebilde zusammen mit den kleinen Pflanzen, die sich dazwischen angesiedelt haben, machen diesen Ort zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Felsformation
Felsformation

Mit einer Wanderung bei strahlendem Sonnenschein am Myvatn entlang haben wir diesen Tag dann ausklingen lassen. Kristallklares Wasser, sanfte Grüne Hügel, eine Entenmutter mit Kindern, und kleine gelbe Blumen – man fühlte sich wie in Tolkiens „Hobbit“.

Am nächsten Tag besuchten wir die Solfataren von Námaskarð, brodelnde und blubbernde Schlammtöpfe wechseln sich ab mit qualmenden und nach Schwefel stinkenden Löchern im Boden. Ein schönes Motiv für die Kamera, ein weniger schönes Erlebnis für die Nase. Durch den Vulkan Krafla ist das gesamte Gebiet um den Myvatn vulkanisch hoch aktiv, was sich in Solfataren oder heißen Bädern wiederspiegelt. Diese ganze Erdwärme wird von den Isländern in Geothermie- Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt. Eines dieser Kraftwerke besuchten wir auf dem Weg zu unserer nächsten Wanderung, die uns zum Kratersee Vití und zur neuesten Lavadecke Islands, aus der Kraflaexplosion Anfang der 80er Jahre, führte. Diese Lavadecke ist so jung, das sich noch keine Pflanzen darauf niedergelassen haben. Diese tiefschwarze Lava ist an manchen Stellen bedeckt von weißem Schnee was dieser Region eine ganz eigene Erscheinung gibt.

Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen vom Myvatn, doch nicht ohne Abschiedsgeschenk, einen ganzen Bus voller kleiner Mücken. Wir fuhren in den Westen und machten erst einen Zwischenstopp in Akureyri und besuchten dann noch die Torkirche Vidimyri, und das Torfmuseum Glaumbær, fast vollständig errichtet aus Torfziegeln.

Die Snæfellsnes-Halbinsel

Wir durchfuhren das Lachsflusstal, welches wir in den Isländischen Sagas kennengelernt haben und erreichten am frühen Abend unser Camp in Stykkisholmur.

Halbinsel Snaefellsnes
Halbinsel Snaefellsnes

Der nächste Programmtag stand ganz im Zeichen von Jules Vernes Klassiker: Reise zum Mittelpunkt der Erde. Wir fuhren in den Westen der Halbinsel Snaefellsnes, wo der Snaefellsjoküll liegt, ein Stratovulkan der den Einstieg zu dieser fantastischen Geschichte bildet. Wir machten eine Wanderung entlang der Steilklippen, beobachteten Seevögel und genossen einfach die Seeluft und diese malerische Umgebung. Auf dem Rückweg ins Camp machten wir dann einen Zwischenstopp bei einem lokalen Bauern, der eine ganz besondere Delikatesse produziert: isländischen Gammelhai. Wer mich kennt, der weiß, so etwas kann ich mir nicht entgehen lassen. War im Übrigen auch nicht so schlimm wie man meint, Konsistenz von Calamaris und schmeckte nach scharfem Käse mit einer Spur Ammoniak im Abgang. 😉

Der folgende Tag stand zur freien Verfügung, einige machten eine Schifffahrt um Stykkisholmur herum, andere bestiegen mit Vera einen der umliegenden Berge. Am Abend versammelten sich dann noch einige im Hafen um Papageientaucher zu beobachten und um die Zeit in Stykkisholmur ausklingen zu lassen.

Der „Golden Circle“

Nun ging es wieder zurück nach Reykjavik, aber natürlich nicht ohne den berühmten „Golden Circle“ zu besuchen. Wir besuchten den Geysir Strokkur, der touristenwirksam alle 4-5 Minuten ausbricht und fuhren von dort weiter zum Gullfoss, von den vielen Wasserfällen, die wir besucht haben, war dieser mit Abstand der eindrucksvollste.

Wasserfall Gulfoss
Wasserfall Gulfoss

Von dort machten wir uns auf den Weg zurück zu unserem ersten Camp in Reykjavik. Wir verabschiedeten uns von unserem Busfahrer Ole, der nun endlich wieder nach Hause durfte.

Unseren letzten Programmtag verbrachten wir dann mit einer Stadtführung durch Reykjavik bei der uns Vera die vielen schönen Seiten dieser nördlichsten aller Hauptstädte zeigte. Unter anderem besuchten wir ein kleines privates Kino, dessen Besitzer alle Vulkanausbrüche Islands mit seiner Kamera festgehalten hat.

Den letzten Tag verbrachte dann jeder so wie er wollte und abends trafen wir uns dann alle um bei einem gemeinsamen Abschiedsessen, die Highlights der Reise Revue passieren zu lassen, bevor wir dann gemeinsam zum Flughafen gefahren sind.

Island werde ich mit Sicherheit nicht vergessen und eines steht fest; ich komme wieder!
Euer Sören
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2 Kommentare zu „Reisebericht Island – die vier schönsten Nationalparks“

  1. Hallo Sören,
    danke für diesen tollen Bericht deiner Reise! Hab mich total wieder gefunden in deinen Erzählungen, denn letztes Jahr haben wir die Reise 5104 gemacht. Kleine Unterschiede gibt es dennoch: Zelt statt Hotel und dicke Jacke statt kurzer Hose. Beide Varianten haben sicher ihren Reiz.
    Ich wünsch dir noch viele abenteuerliche und erlebnisreiche Wikinger-Reisen!
    Herzliche Grüße
    SIMONE

  2. Hallo Sören,
    ein toller Bericht! Ich kann ihn sehr gut nachvollziehen, da ich von der gleichen Reise erst letzte Woche zurück gekommen bin.
    Der Seljalandsfoss ist und bleibt mein Lieblingswasserfall, auch wenn andere tatsächlich gewaltiger und imposanter sind. Auch ich werde bestimmt wieder nach Island fahren.
    Herzliche Grüße
    Ute

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