Reisebericht Bretagne – Eine bretonische Verlockung

Einmal auf den Spuren des wohl bekanntesten Kommissars der Bretagne wandeln, der Vorliebe für kulinarische Köstlichkeiten frönen und die Schauplätze der berühmten Bannalec-Krimis besuchen – all das und noch viel mehr erlebt man kompakt während der 10-tägigen Reise „Bretonische Vielfalt – mit Spürsinn genießen!“ (Reisenummer 6759).

Demat Breizh!

Mit Vorfreude und dem neuesten Dupin-Roman im Gepäck erreiche ich die Bretagne. Die Bretagne, die es so, laut Nolwenn gar nicht gibt:

Eine der ersten Lektionen, die Nolwenn Dupin beigebracht hatte, lautete:
„Die Bretagne gibt es nicht! Es gibt viele Bretagnen.“ So divers waren die bretonischen Landschaften, so groß die Unterschiede, Kontraste, Eigenheiten, die Widersprüche. Und es stimmte, hatte Dupin gelernt. In diesem Satz lag vielleicht überhaupt das letzte und größte Geheimnis der Bretagne.

J.L. Bannalec (2014): Bretonisches Gold, S. 42, 1. Auflage, Verlag Kiepenheuer & Witsch

Zusammen mit meinen Mitreisenden werde ich am Flughafen Brest von unserer Wikinger-Reiseleitung in Empfang genommen. Schon während des einstündigen Transfers nach Concarneau zum Hotel l’Ocean ziehen bereits die vielfältigen Landschaften vorbei. Saftig grüne Wiesen, pittoreske Ortschaften, tief eingeschnittene Fjorde, dunkle Wälder und karibisch anmutende Strände. Wow!

Ville Close de Concarneau
Ville Close – Concarneau

Bonjour Commissaire Dupin

Bereits unsere erste Küstenwanderung führt uns durch malerische Landschaften. Im gemächlichen Auf und Ab (keine nennenswerten Höhenunterschiede) wandern wir direkt vom Hotel immer der Küste entlang. Wir passieren weiße Strände und schattige Eichenwälder, mannshohe blühende Hortensienbüsche säumen unseren Pfad nach Port-la-Foret. Eigentlich eher eine Landschaft für Rosamunde Pilcher, denn für einen spannenden Krimi. 😉

Concarneau, die blaue Stadt, möchte von uns erkundet werden. Die Heimatstadt von Kommissar Dupin erwartet uns mit ihrer malerischen Altstadt und natürlich zahlreichen Cafés und Restaurants, allen voran dem Amiral. Insgesamt 10 Bände hat Jean-Luc Bannalec bereits seinem Kommissar und der Bretagne gewidmet. Übersetzungen in zahlreiche Sprachen und Verfilmungen sind erschienen. Das bretonische Fremdenverkehrsamt hat sogar eine eigene Internetseite mit den Handlungsorten für interessierte Touristen eingerichtet (https://www.bretagne-reisen.de/urlaubsvorbereitung/urlaub-a-la-carte/rundreisen-in-der-bretagne/auf-den-spuren-kommissar-dupins/).

Während einer Stadtführung tauchen wir tiefer in die Geschichte der Ville Close und der Bedeutung der Sardinen ein. Hübsche Fachwerkhäuschen und verwunschene Gassen ziehen uns in den Bann. Bevor wir zum nächsten Programmpunkt über gehen, bleibt noch Zeit für einen Mittagssnack. Was bietet sich in der Bretagne eher an als eine herzhafte Galette (Buchweizenpfannkuchen)? Die Füllung gibt es sowohl süß als auch herzhaft, klassisch ist die Variante mit Käse, Schinken und Ei.

Am Nachmittag erwartet uns das Marinarium von Concarneau, ein ozeanographisches Institut. Schauplatz in „Bretonische Brandung“ aber auch ohne polizeiliche Ermittlungen einen Besuch wert. Wir erfahren von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter allerhand Interessantes über die örtliche Meeresfauna und Flora, bevor wir die Ausstellung in eigenem Tempo besuchen.

Bretagne – Leuchttürme und Brandung

Die zweite Wanderung lockt mit stolzen Leuchttürmen und verschlafenen Fischerörtchen. Wir beginnen an der kleinen Wahlfahrtskapelle Notre-Dame-de-la-Joie und laufen dann in südlicher Richtung direkt auf den imposanten Leuchtturm Eckmühl zu. Nachdem wir diesen hinter uns gelassen haben, geht es weiter über paradiesische Strände und Dünenlandschaft. Wir haben die Wahl: barfuß über den weichen, weißen Sand oder doch lieber oben über den Dünenkamm und durch artenreiche Flora.

Angekommen in Guilvinec erfahren wir bei einer Führung durch das Fischereimuseum Haliotika spannende Hintergrundinformationen zur Hochseefischerei, die sicherlich auch Bannalec als Inspiration für seinen Roman „Bretonische Flut“ dienten. Gekrönt wir der Tag von einer Langoustinen-Verköstigung (Kaisergranat) – bon appetit!

Ein bretonisches Sprichwort besagt: „Der bretonische Sommer findet zwischen zwei Regenschauern statt.“ Wir haben unglaubliches Glück, 10 Tage voller Sonnenschein und blauer Himmel satt. So kommt uns das Ende der westlichen Welt, der Pointe du Raz, auch gar nicht so wetterumtost vor wie erwartet. Nur die mächtigen Schaumkronen auf dem strudelnden Wasser lassen erahnen, welche Naturkräfte hier wirken. Die felsige Landspitze ist Naturpark und unser Wandergebiet für einen weiteren Tag.

Pittoreske Orte & karibische Inseln

Auf dem Weg zurück nach Concarneau halten wir noch in dem pittoresken Örtchen Locronan, dass bereits häufig als Filmkulisse gedient hat. Hübsche, blumengeschmückte Steinhäuser und eine mächtige Kathedrale prägen den Ortskern. Einen Ortsheiligen gibt es selbstverständlich auch, der heilige Ronan soll einst auf einem schwimmenden Stein über das Meer gekommen sein und sich hier als Einsiedler niedergelassen und Wunder vollbracht haben. Eine Geschichte, die wir nur zu gerne glauben!

Ein wahres Highlight ist der Schiffsausflug auf die Glénan-Inseln. Der wahrhaft karibisch anmutende Archipel weckt Südseeträume und Badelust. Puderzuckerstrände und türkisschimmerndes Wasser locken uns und Segelurlauber. Weiße Yachten dümpeln vor den Inseln und machen das Urlaubsfeeling perfekt. Wir besuchen die größte der Inseln St. Nicolas und genießen einen Tag Entspannung pur.

Glenan
Bucht auf Saint Nicolas

Pont Aven bildet in den Büchern um Komissar Dupin den Auftakt zu zahlreichen spannenden Kriminalfällen und ist der Endpunkt für unsere nächste Tageswanderung. Durch lichten Pinienwald folgen wir dem Aven von der Mündung ins Landesinnere über einen verschnörkelten Waldweg. Immer wieder ergeben sich neue Ausblicke aufs Wasser und die umgebende Flusslandschaft. Nach gut zwei Drittel des Weges erwartet uns eine kulinarische Überraschung. Der Austern-Züchter Max hat ein Picknick der besonderen Art vorbereitet. Fangfrische Austern, bretonischer Weißwein und knuspriges Baguette – mjam.

Pont Aven selbst ist Heimat des bretonischen Expressionismus rund um Paul Gaugin und Émile Bernard. Das Flair der Künstlerkolonie ist heute noch zu spüren und deren Erbe in zahlreichen Galerien zu bestaunen. Hier bleibt uns genügend freie Zeit zum Schlendern und Schauen.

Bretonisches Gold

Die längste Busfahrt dieser Reise bringt uns ins Weiße Land der Guérande. Weitläufige Salinenfelder sind nicht nur das Zentrum der hiesigen Salzproduktion, sondern auch ein umfangreiches Naturschutzgebiet. Während einer Führung wird uns die Bedeutung des Fleur de Sel für die Region, als auch die Herstellung erläutert.

Im Anschluss besichtigen wir die historische Altstadt von Guérande, die noch komplett von einer Stadtmauer umschlossen ist. Hier bietet sich die Gelegenheit, die letzten kulinarischen Souvenirs für die Lieben daheim zu kaufen: z.B. die leckeren Salz-Karamell-Bonbons. 😊

in den salinen
In den Salinen der Guérande

Der letzte Tag steht zur freien Verfügung, egal ob Sonnenbaden am Strand, noch einmal einen Petit Café im Amiral in Concarneau trinken oder ins nahegelegene Quimper fahren. Ideen gibt es viele und jede lohnt sich…

Ich habe mich für einen Halbtagsausflug nach Quimper entschieden und es nicht bereut. Malerische Gassen, eine imposante Kathedrale und zahlreiche Creperien Cafés laden zum Flanieren und Fotografieren ein. Eine ideale Kulisse um die Erlebnisse der vergangenen Tage Revue passieren zu lassen.

Evel-se emañ ar bed A-dreuz hag a-hed.

Kreuz und quer, so geht´s in der Welt her.

Bretonisches Sprichwort

Die Bretagne ist faszinierend, mysteriös, vielfältig, lecker und definitiv mehr als eine Reise wert. 🙂 Wann kommst du?

A Bientot,
Nicole

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