Madeira – mit Trekkingstiefeln quer über die Insel

Madeira sportlich von Ost nach West – für viele Trekking-Fans ein echtes Erlebnis, denn bei diesem Inseltrekking erlebt man Madeira total. Und so machte auch ich mich dieses Frühjahr auf, die Blumeninsel zu „erwandern“.

Ankunft auf Madeira

Wir landeten planmäßig in Funchal und wurden in unser erstes Hotel gebracht. Den Nachmittag nutzen wir für einen ersten Spaziergang durch Santa Cruz.

Am nächsten Tag stand dann die erste Wanderung auf dem Programm. Nach dem Frühstück in einer nahegelegenen Bäckerei und dem möglichen Eindecken im nahegelegenen Supermarkt für die Wanderpausen starteten wir per Transfer in Richtung Ostkap (Ponta de São Lourenço).
Die Wanderung führte uns entlang der spektakulären Küstenlandschaft mit beeindruckenden Ausblicken auf das Meer. Bei trockenem und sonnigem Wetter herrschten sehr gute Wanderbedingungen.
Im weiteren Verlauf ging es entlang der Nordküste bis nach Porto da Cruz. Die Tour bot eine abwechslungsreiche Mischung aus Küstenlandschaft und ersten anspruchsvolleren Passagen.
Bei Ankunft in Porto da Cruz hatten wir in einer knappen Stunde noch Zeit, den Ort zu erkunden. Ein Besuch in der dortigen Rum-Brennerei bildete einen gelungenen Abschluss der Wanderung. Wer wollte, konnte sich dort auch die Herstellung des Rums aus Zuckerrohr ansehen und einen Poncha (traditionelles madeirisches Getränk auf Basis von Rum, Honig und Zitronensaft) probieren. Nach einem kurzen Transfer erreichten wir unsere Unterkunft in São Roque do Faial, wo wir den Tag beim gemeinsamen Abendessen ausklingen ließen.

Der perfekte Einstieg für unser Madeira-Trekking

Aufstieg zum Pico Ruivo

Ursprünglich war für diesen Tag eine Wanderung entlang der Levada do Caldeirão Verde bis zum Caldeirão Inferno geplant – eine der bekanntesten Touren der Insel mit mehreren Tunnelpassagen. Aufgrund eines Steinschlags vor einem Tunnelbereich war diese Route jedoch aktuell gesperrt und nicht begehbar, sodass wir gemeinsam mit unserem Reiseleiter kurzfristig auf eine alternative Tour ausweichen mussten.

Nach einem kurzen Transfer starteten wir unsere Wanderung im Bereich des Parque de Queimadas, wo wir zunächst eine kurze Kaffeepause einlegten. Im Anschluss führte uns der Weg über den Caminho dos Tis sowie den Caminho dos Anderivos stetig bergauf. Die Strecke war abwechslungsreich und forderte durch die kontinuierlichen Anstiege bereits zu Beginn eine gute Grundkondition.
Im weiteren Verlauf erreichten wir den Parkplatz Achada do Teixeira, der als Ausgangspunkt für den finalen Abschnitt zum Gipfel dient. Von hier aus erfolgte der letzte Aufstieg zum Pico Ruivo (1.862 m), dem höchsten Gipfel Madeiras, der uns mit einem beeindruckenden Panorama über die umliegenden Berglandschaften belohnte. Die gewählte Alternative erwies sich als sehr stimmig und anspruchsvoll und bot eine gelungene Kombination aus Naturerlebnis und sportlicher Herausforderung.
Nach einer ausgiebigen Gipfelpause ging es auf gleichem Weg zurück zum Parkplatz Achada do Teixeira, wo uns der Transfer zum Hotel erwartete.

Madeiras traditionelle Häuser kann man in Santana bewundern

Gipfelglück am Pico Ariero

Nach einem kurzen Transfer starteten wir unseren Aufstieg zum Pico do Arieiro am Campingplatz Chão das Feiteiras. Der Weg führte zunächst durch die eindrucksvolle Berglandschaft Madeiras und gewann schnell an Höhe. Mit jedem Abschnitt eröffneten sich weitere Ausblicke auf die zerklüfteten Gipfel und tief eingeschnittenen Täler der Insel.
Auf rund 1.818 Metern erreichten wir schließlich den Pico do Arieiro, einen der höchsten und bekanntesten Aussichtspunkte Madeiras. Im Gipfelbereich war das Wetter zeitweise stärker bewölkt, zudem gab es kurze Regenschauer.
Oben wechselten sich schroffe Felsformationen, wolkenverhangene Bergkämme und weite Panoramablicke ab. Anschließend führte die Route wieder bergab in Richtung Nonnental (Curral das Freiras). Durch die ruhige Bergwelt des Inselinneren verlief der Weg vorbei an grünen Hängen und abgelegenen Abschnitten mit immer neuen Blickwinkeln auf das tief eingeschnittene Tal.
Die Wanderung endete schließlich oberhalb des Nonnentals auf einem Parkplatz in der Nähe des Miradouro do Paredão, bevor wir zu unserem nächsten Hotel in Eira do Serrado gebracht wurden – spektakulär oberhalb des Tales gelegen und mit beeindruckendem Ausblick auf die umliegenden Berge.

Meine Wikinger-Gruppe im Gipfelglück auf Madeira

Abstieg ins Nonnental (Curral das Freiras)

Direkt ab dem Hotel starteten wir mit dem Abstieg in das Nonnental (Curral das Freiras). Der Weg führte zunächst auf teils steilen und stellenweise gerölligen Abschnitten hinunter in den kleinen Ort. Bei trockenem und sonnigem Wetter herrschten sehr gute Wanderbedingungen, wodurch wir die Ausblicke auf das tief eingeschnittene Tal und die umliegenden Berge besonders genießen konnten. Im Ort bestand die Möglichkeit, sich noch einmal für die weitere Wanderung einzudecken oder einen kurzen Espresso zu trinken.

Anschließend begann der längere Anstieg in Richtung Pico Serradinho. Besonders im oberen Bereich waren einige steilere Passagen sowie zahlreiche Stufen zu bewältigen. Danach verlief die Route aussichtsreich entlang der Boca dos Gorgos und weiter zur Boca da Corrida. Die Strecke bot immer wieder schöne Panoramablicke in das Nonnental sowie auf die umliegenden Bergzüge.

Der abschließende Abstieg Richtung Curral da Corrida erforderte auf dem unebenen Untergrund noch einmal Konzentration, war bei den trockenen Bedingungen jedoch gut zu bewältigen. Am Ende der Wanderung wartete zur Belohnung ein kühles Getränk, das von uns allen nach der anspruchsvolleren Etappe gerne angenommen wurde.

Auf Madeira wandert man oft über den Wolken

Vom Lorbeerwald Fanal bis nach Porto Moniz

Nach einem kurzen Transfer zum Wandereinstieg begann der Wandertag bei regnerischem und frischem Wetter im Lorbeerwald von Fanal. Der lange Abstieg in Richtung Ribeira da Janela verlief zunächst weiterhin bei anhaltendem Regen über teils rutschige Wald- und Steinwege, die besonders in den steileren Abschnitten Trittsicherheit erforderten. Erst nach etwa vier Stunden besserte sich das Wetter deutlich. So konnten wir den Ausblick vom beliebten Aussichtspunkt oberhalb von Ribeira da Janela mit Blick Richtung Seixal schließlich noch im Trockenen genießen.

Anschließend führte der Weg weiter hinunter in Richtung Küste. Nach einer kurzen Einkehr bot sich Gelegenheit, die markante Felsformation am Strand in Ruhe anzusehen. Danach stand noch einmal ein kräftezehrender Anstieg Richtung Pico do Caldeiro an, bevor der letzte Abschnitt wieder hinunter nach Porto Moniz zum Gruppenhotel führte.
Meiner Einschätzung nach zählt diese Etappe zu den anstrengendsten Wanderungen der Trekkingtour. Vor allem die langen Abstiege gehen mit der Zeit deutlich auf die Gelenke und sollten nicht unterschätzt werden. Trotz der schwierigen Bedingungen am Vormittag wurde die Wanderung insgesamt als landschaftlich sehr abwechslungsreich und lohnend empfunden. Mit einem Kaltgetränk nach Ankunft in Porto Moniz belohnten wir uns schließlich für diese lange und fordernde Etappe.

Schlechtes Wetter gibt es für Wanderer nicht…

Ausflug nach Funchal

Alle Gäste entschieden sich bereits zu Beginn der Reise für den fakultativen Ausflug nach Funchal. Unser Reiseleiter Gonçalo übernahm selbst den Transfer, was uns vor Ort zusätzliche Flexibilität ermöglichte.
Bei trockenem und sonnigem Wetter besichtigten wir neben der Altstadt unter anderem das Fort, die Markthalle mit Fischmarkt sowie die Kathedrale. Anschließend stand der Gruppe etwa zwei Stunden freie Zeit zur Verfügung, die individuell genutzt wurde – beispielsweise für einen Stadtbummel, Einkäufe oder eine Einkehr.

Stadtleben in Funchal

Madeira hat sich für mich als eine äußerst vielseitige Insel mit vielen unterschiedlichen Facetten gezeigt. Während der Wanderungen wechselten sich Küstenpanoramen, Berglandschaften und eindrucksvolle Taleinschnitte ständig ab, wodurch es unterwegs immer wieder Neues zu entdecken gab. Mal waren wir in kargen und teils rauen Bergregionen unterwegs, dann wieder in satt grünen Tälern oder in den für Madeira typischen Lorbeerwäldern, die mit ihrer dichten Vegetation eine besondere Atmosphäre schaffen.
Die Tour war insgesamt durchaus anspruchsvoll und wird aus meiner Sicht den ausgewiesenen 3 Stiefeln absolut gerecht. Gerade die Kombination aus teilweise langen An- und Abstiegen, den wechselnden Etappenprofilen sowie der teils anspruchsvollen Wegbeschaffenheit forderte die Gäste und mich sowohl konditionell als auch mental. Stellenweise waren die Wege geröllig oder bei Nässe entsprechend rutschig. Vereinzelt gab es zudem kurze, aber steilere Stufenabschnitte, die zusätzliche Konzentration und Trittsicherheit erforderten.
Besonders positiv hervorzuheben ist für mich das starke Gruppengefühl, das sich im Laufe der Woche entwickelt hat. Für mich persönlich war diese Reise ein rundum gelungenes Erlebnis. Die Kombination aus anspruchsvollen Wanderungen, abwechslungsreicher Landschaft und guter Gruppendynamik hat bei mir das Interesse an weiteren anspruchsvolleren Trekkingreisen geweckt.

Euer Ethem