“If you don’t like the weather, wait a minute” – Eine Wanderwoche in den Highlands

Wer an Schottland denkt, der denkt unweigerlich an die Highlands – raue Berge, weite Seenlandschaften, mystische Moore – und vermutlich an Whisky, Bier und deftiges Essen. Anfang September hat es meinen Papa und mich wieder in den Norden Europas verschlagen. Auf unserer Wanderwoche in den nordwestlichen Highlands erlebten wir schottische Gastfreundschaft, Gemütlichkeit und kleine Abenteuer in faszinierend ursprünglicher Natur.

Nach dem gemeinsamen Gruppenflug von Frankfurt nach Aberdeen verlassen wir den Flughafen bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen. Uns erwartet zunächst ein laaanger Transfer, der mit einigen Zwischenstopps zum Essen, Trinken, Shoppen und vor allem ab der zweiten Hälfte der Fahrt mit wunderbaren Ausblicken belohnt. Am Loch Maree, kurz vor dem Erreichen unseres Standortes Gairloch, machen wir einen raschen Foto-Stop. Das Motiv – WOW!

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Foto-Stop mit Blick auf das Loch Maree

Hier begrüßen uns auch zum ersten Mal die Midges. Die winzigen schottischen Stechmücken freuen sich ganz besonders über unsere Ankunft, weshalb wir alle schnell zurück in den Bus eilen. Ich habe natürlich mein Insektenspray zu Hause gelassen ;-).

Einzug in die Gairloch Highland Lodge

In der „Gairloch Highland Lodge“ angekommen, unserem Zuhause für die nächste Woche, beziehen wir unsere Zimmer und brechen dann gemeinsam zum ersten Abendessen im Pub „The Old Inn“ auf. Zuvor dürfen wir uns das Menü für den Abend zusammenstellen: jeweils drei Vorspeisen, Hauptgerichte und Nachspeisen stehen zur Auswahl, die ganze Woche lang! Neben schottischen Spezialitäten gibt es internationale und vegetarische Gerichte, für jeden etwas.

Im „Old Inn“ angekommen betreten wir einen typisch schottischen Pub. Schon im Bus gab es von unserem Reiseleiter Marco Informationen zu den verschiedenen lokalen Bieren (Lager oder Ale, je nach Brauart und Trink-Temperatur) und Whiskys. Die meisten von uns sind mutig und bestellen ein hauseigenes Ale, welches bei Zimmertemperatur serviert und getrunken wird… die Meinungen sind unterschiedlich :-). In den kommenden Tagen wird der Pub ein schöner Treffpunkt für unsere Gruppe.

Am nächsten Tag starten wir unsere Wanderung direkt von der Lodge. Am Hafen vorbei und über einen romantischen Küstenpfad geht es zum weißen Sandstrand von Gairloch und dann weiter zum Ortskern.

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Blick…
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…auf Gairloch
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romantischer Küstenpfad

Mehall na h-lolaire

In der Tourist-Info stärken wir uns mit Kaffee und hausgemachten Leckereien. Ein paar von uns nutzen außerdem die Gelegenheit und kaufen Insektenschutzmittel. Danach führt uns ein schöner Weg über eine Hochebene, vorbei an bronzezeitlichen Relikten auf den Hausberg Mehall na h-lolaire – kurze Klettereinheiten inklusive. Die Sonne scheint, es ist warm und die Aussicht bis zur Isle of Skye und der Silouette der Äusseren Hebriden am Horizont wunderschön. Ein gelungener erster Tag.

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Gipfelschnappschuss
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Ausblick vom Mehall na h-lolaire

Tag zwei begrüßt uns mit Regen, dennoch genießen wir unser Frühstück in der gemütlichen Lodge und die Aussicht auf den Hafen – und Regen gehört in Schottland ja auch irgendwie dazu. Nach einem kurzen Bustransfer liefert uns unser Fahrer Ian in Poolewe ab. Wir wandern gemütlich entlang des Ewe-Flusses und umrunden das Loch Kernsary.

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Umrundung…
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…des…
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…Loch Kernsary

Das Highlight des Tages folgt nach der Wanderung: ein Besuch in den Inverewe Gardens. Dies ist einer der am nördlichsten gelegenen botanischen Gärten der Welt. Begünstigt durch den Golfstrom verzaubert er mit einer beeindruckenden Vielfalt an Pflanzen aus aller Welt. Pünktlich zu unserem Besuch lässt sich auch die Sonne kurz blicken.

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Kleine Rast…
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…in den Inverewe Gardens

Tag 3: Heute folgt unsere erste Wanderung mit Abenteuercharakter.

Auf dem Weg nach Gruinard Bay machen wir einen kurzen Fotostopp und bekommen Robben vor die Linse.

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Robben auf dem Fels

Vor Ort angekommen entscheidet sich ein Teil der Gruppe für den leichteren, aber nicht minder schönen Wanderweg entlang des Gruinard River. Wir anderen laufen querfeldein und folgen zunächst der Schlucht des Inverianvie Rivers. An einigen Stellen unseres Weges sind höchste Konzentration und Trittsicherheit erforderlich. Wir werden dafür belohnt: beeindruckende Aussichten warten auf uns.

Nach einer kurzen Rast an den EasDubh a’ Ghlinne Ghaibh Wasserfällen erleben wir zum ersten Mal „so richtig“ die schottischen Highlands: Moorlandschaft, kleine Lochs, pfeifender Wind und strahlender Sonnenschein. Unser Weg führt uns zum Ende der Wanderung ebenfalls zum Gruinard River, wo wir auf den anderen Teil der Gruppe treffen und die Tour gemeinsam beenden. Das Wetter ist super, weshalb wir eine ausgiebige Pause am Sandstrand von Gruinard Bay machen, bevor uns der Bus zurück nach Gairloch bringt.

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Mitten in den Highlands
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Los gehts!
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Wanderweg durch die Schlucht
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Rückweg am entlang des Gruinard River

Tierische Erlebnisse – Wale, Kormorane und Robben

Nach diesen wunderbaren ersten Erlebnissen folgt etwa zur Halbzeit ein Tag zur freien Verfügung. Marco bietet am Morgen eine kleine Wanderung an und organisiert am Vormittag eine Bootstour. Wir sehen Wale, Kormorane und ganz viele Robben – mein ganz persönliches Highlight :-). Dieser putzige Anblick lässt uns sogar die Kälte an diesem verregneten Tag vergessen.

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Auf unserer vierten Wanderung begeben wir uns in die schottische Wildnis, die sich nur unweit unseres Hotels befindet. Ziel der Wanderung: der Gipfel des An Groban. Der Aufstieg gestaltet sich teilweise schwierig, denn durch den Regen ist der Boden matschig. Das Gefühl wenn man oben ankommt und die Aussicht genießen kann, ist die Anstrengungen aber allemal wert!

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Blick vom An Groban
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Matschige Angelegenheit

Vorletzter Tag: Heute steht schon die letzte Wanderung auf dem Programm. Wir fahren mit unserem Bus zum Ben Eighe National Nature Reserve. Hier können wir wählen, ob es der „Woodland Trail“ oder der „Mountain Trail“ sein soll. Wie die Namen schon sagen verläuft der „Woodland Trail“ am Fuße des Beinn Eighe und hauptsächlich durch Wald. Hier findet man üppige Flora und auch die einen oder anderen tierischen Mitbewohner – allen voran die Midges.

Der „Mountain Trail“ führt uns bei einem etwa 2 1/2-stündigen Anstieg auf 550m Höhe in die schottische Bergwelt. Je höher wir steigen, desto atemberaubender wird der Blick. Oben angekommen werden wir fast weggeweht, trotzdem verweilen wir für ein paar Gipfelschnappschüsse und eine kleine Stärkung. Dann folgen wir weiter dem markierten Bergpfad. Vorbei am „Luna Loch“ geht es wieder bergab, zurück zu unserem Ausgangspunkt. Im Nachhinein kann ich nicht sagen, ob der An- oder der Abstieg anstrengender waren. Doch auch hier sind die Erlebnisse und vor allem die Ausblicke diese Anstrengung wert. Es war auch meine persönliche Lieblingswanderung.

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Beim Aufstieg
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Blick vom Berg auf das Loch Maree
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Und wieder Berg runter…
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Luna Loch

Am Abend gibt es ein letztes leckeres gemeinsames Abendessen im „The Old Inn“. Es ist gerammelt voll im Pub, denn freitags gibt es Live-Musik, richtig gute! Ein perfekter Abschluss unserer Wanderwoche, bevor wir uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg nach Aberdeen machen und unseren Rückflug antreten.

Ich hatte eine unvergessliche Zeit mit einer tollen Gruppe und einem super Reiseleiter. Sogar das Wetter hat es gut mit uns gemeint. Und ansonsten gilt eben: “if you don’t like the weather, wait a minute!”
Liebe Grüße,
Eure Alex

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