Eine Wanderreise auf La Réunion

Fragt man nach dem südlichen Frankreich, so fallen die Orte Nizza, Marseille und Narbonne. La Réunion als französisches Übersee-Department und damit Teil der EU, wird meist übersehen. Diese Vulkaninsel „La Réunion“ im indischen Ozean liegt 800 km östlich von Madagaskar. Über 9.000 km von Deutschland entfernt, bildet La Réunion mit Mauritius und Rodrigues den Archipel der Maskarenen.

Karte La Réunion

Die Entdeckung der Insel

Auf 70 km x 50 km steigt „La Réunion“ aus dem Meer bis auf eine Höhe von über 3.000 m und ist etwa so groß wie das Saarland mit seinem vulkanisch entstandenen zerklüfteten Relief. Entdeckt wurde die Insel 1512 von dem Portugiesen Pedro Mascarenhas. Als Zwischenstation für Seefahrernationen (England, Niederlande) landeten die Franzosen 1638 auf der Insel und erklärten sie im Namen des Königs Ludwig XIII zu einer französischen Besitzung.

Im Zuge der Kolonialisierung kamen 1665 erstmals französische Siedler auf die vormals unbewohnte Insel und übernahmen die Inselverwaltung. Für die Plantagenwirtschaft wurden Sklaven aus Madagaskar, Ostafrika und Indien auf die Insel verschleppt. Mit dem Ende der Sklaverei 1848 erhielten die rund 60.000 Sklaven den gleichen Status wie die 35.000 Bürger.

La Réunions Bevölkerung

Deren gemeinsame Nachkommen bilden heute eine verhältnismäßig homogene Gesellschaft und werden zusammen als Kreolen bezeichnet. Die Bevölkerung ist ein einzigartiger Schmelztiegel. Heute hat die Insel fast 900.000 Einwohner, mit 45% Nachfahren der Sklaven, 25% Europäer, 25% Inder und 5% Chinesen. Die Religionen verteilen sich auf 86% Katholiken, der Rest verteilt sich auf Hindus (Inder, Muslime, Afrikaner) und Buddhisten (Asiaten). Ein starker Einfluss nimmt noch der Aberglaube ein und das Anrufen der Ahnen (Saint Expedit) ist aus der afrikanischen Tradition noch stark verbreitet. All diese Menschen wuchsen und wachsen zusammen auf, gehen zusammen zur Schule, heiraten bereits seit Generationen untereinander und feiern gemeinsam ihre religiösen Feste. Diese multikulturelle Gesellschaft gilt als Modell für Toleranz, von dem sich Alt-Europa, besonders in der jüngsten Zuwanderungsgeschichte, eine Scheibe abschneiden könnte.

Sprache und Wirtschaft

Die offizielle Amtssprache ist Französisch, gesprochen wird aber vorwiegend Réunion-Kreolisch. Seit 1946 ist La Réunion ein französisches Übersee-Department und damit auch der EU zugehörig. Hauptwirtschaftszweig neben Handel und Tourismus sind Zuckerrohranbau und Rumherstellung. Es folgen landwirtschaftliche Produkte, wie Vanille, tropische Früchte wie Ananas, Bananen, Litschis, Kokosnüsse und Zitrusfrüchte. Auch Gewürze wie Ingwer, Kardamom, Kurkuma, Pfeffer und Zimt spielen in der Landwirtschaft eine große Rolle.

Die Reise beginnt!

Die lange Anreise über Paris führt für die nächsten Wander- und Trekkingtage eine bunt gemischte naturinteressierte Gruppe zusammen. Am Flughafen der Hauptstadt Saint-Denis empfängt uns Hasina – ein kleiner, quirliger Reiseleiter, Netzwerker und „Hans Dampf der Insel“, gebürtig aus Madagaskar, sein vollständiger Name ist Hasina Samoelinanja – in perfektem Deutsch. Er hat in Deutschland studiert und wohnt mit seiner Frau und seinem Sohn in Hamburg.

Reiseleiter Asna
Hasina, unser Reiseleiter

Nach einem Bummel über den Samstag-Markt geht es mit dem Bus ins Inselinnere zum ersten Ausgangspunkt für die Trekking-/Wandertouren. Hell-Bourg trägt stolz den Titel „schönstes Dorf Frankreichs“ – die Maison Folio ist eines der schönsten kreolischen Häuser, steht unter Denkmalschutz und wird von einem wunderschönen Garten mit Palmen, Geranien, Orchideen und weiteren exotischen Pflanzen umgeben.

Kreolisches Haus
Kreolisches Haus

Nichts für Wanderanfänger

Schon diese zwei Tagestouren fordern uns. Es geht auf schmalen Pfaden steil auf und ab. Trittsicherheit und ständige Fußkontrolle ist notwendig. Glatte Steine, Bachläufe, Wurzeln und dazu oft Nebel über 1.500 m sind die natürlichen Hindernisse. Für erfahrene Trekker ein versteckter Garten Eden, voller endemischer Vegetation und imposanten Panoramen, den man sich allerdings hart verdienen muss. 40% von La Réunion gehören seit 2010 zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Mein Motto: Nur wo Du zu Fuß warst, warst Du wirklich. „Inquiet pu, ti pas, ti pas, na rive“ heißt es auf Kreolisch. „Keine Sorge, Schritt für Schritt geht es zum Ziel“. La Réunions Vegetation und das zerfurchte Relief zwischen hohen Steilwänden können Wanderer in den drei Vulkankesseln – Cirque de Salazie, Cirque de Mafate und Cirque de Cilaos – eindrucksvoll erleben. Cilaos (auf etwa 1.200 m), ein weitgehend unzugänglicher Zufluchtsort für entlaufene Sklaven – hier heißt es „Land, das man nicht mehr verlässt“. Wenn sie diese Abgeschiedenheit über einen 1.800 m hohen Pass erreicht hatten, wurden die Sklaven von den „Bluthunden“ mit ihren weißen Treibern nicht weiterverfolgt.

Cirque de Mafate

Im Talkessel Mafate, zwischen imposanten Zwei- bis Dreitausendern ist der wildeste und ursprünglichste der drei Cirques – „jener, der auf gefährliche Weise sein Leben verlor“ – erreicht. Gemeint sind die einst entlaufenen Sklaven, die sich hier in einer Höhe niederließen, um vor dem Kopfgeldjäger sicher zu sein. Hier ticken die Uhren anders, die tief verwurzelten Menschen haben Zeit und ein Jeder kennt Jeden. Die Nächte in dieser Abgeschiedenheit sind kalt und die Übernachtungen in Berghütten bei guter kreolischer Küche mit einfacher frischer Kost gehört zu den Erlebnissen in „Cirque de Mafate“.

Nachts fällt das Thermometer in den Minusbereich. Mafate ist ein Mythos und die Bewohner möchten ihre einzigarte Isolation erhalten. Die rund 800 Bewohner in den versprengten Dörfern auf obere und untere Plateaus verteilt, werden nur zu Fuß erreicht. Zahlreiche Wasserfälle stürzen als Engelschleier die Steilwände herab. Dieser 100 km2 großer Talkessel ist so zerklüftet, dass eine Versorgung nur mit dem Helikopter möglich ist. Dies gilt auch für Kranke und Wander-Trekking-Verletzte.

Wasserfaelle Engelschleier
Wasserfälle Engelschleier

Durch subtropische Regenwälder

In den weiteren Tagen wandern wir in zusätzlicher Begleitung von John, einem kreolischen Wanderführer, durch subtropische Regenwälder und nähern uns der Küste. Hier hat der Begriff „Waldbaden“ vielleicht seinen Ursprung. Farn, Rosen und Weihnachtssternbäume säumen die Wanderpfade. Eine Traumwanderung, auch im ständigen Auf und Ab an der Steilküste mit Wellen und Gischt umtosten Buchten erzeugen Regenbögen für Sekunden.

Hauptsächlich sportliche Aktivitäten

Die hauptsächlich sportlichen Aktivitäten der Einheimischen sind Radfahren auf den gut ausgebauten Straßen und Mountainbiken im schwierigen Gelände. Jedes Wochenende finden zahlreiche, auch internationale – „Trail Runs“ – Wettbewerbe statt. Hier messen sich gertenschlanke Bergläufer mit einer leichtfüßigen Schrittfolge, denen ich nur staunend die schmalen Pfade freigebe. Auf zum weiteren Höhepunkt, dem Vulkan „Piton del la Fournaise“. Auch als Glutofen oder Flammengipfel bezeichnet, gehört er zur Kategorie der hawaiianischen Schildvulkane, auch als roter Vulkan bezeichnet, da er bei jedem Ausbruch rote Lavafontänen in die Luft schleudert.

Der „Grand Diable – großer Teufel“

Auf der Route des Vulkans nähert man sich den Rot-Braun-Asche und Basalttönen in einer leuchtenden Mond- und Kraterlandschaft. Sie zeugen von der Kraft des „Grand Diable – großer Teufel“, wie der Vulkan respektvoll genannt wird. Ein 150 Höhenmeter Abstieg und später wieder Aufstieg vom Kraterrand und eine eindrucksvolle 3-Std.-Wanderung geben Zeugnis der ständigen Veränderung. Durchschnittlich 2 Mal im Jahr ereignet sich ein Ausbruch, der bis heute Form und Gestalt der Insel prägt.

Der Wald fiel dem Schiffs-, Haus- und Möbelbau sowie dem Anbau von Zuckerrohr und Kaffee zum Opfer. Um Erosionen zu verhindern wurde die japanische Sicheltanne und die australische Sumpfeiche eingeführt. Ihre weitverzweigten Wurzeln verhindern Bergrutsche. Auf dem vulkanischen Basalt im Süden und Osten wurde die Vocoa-Palme aus Madagaskar angepflanzt. Dieser erweiterte Pflanzenreichtum mit über 300 Tropenhölzern und 150 Orchideenarten, davon 60% endemisch, bilden einen riesigen Grüngürtel.

Die Vegetation

Um 1.000 m die Bergregenwälder, ab 1.500 m wachsen Höhentamarinden und auch Calumet-Bambus. Erst dann wird die Vegetation karger. Ginster, Sträucher und Heide werden allmählich von bodennahen Moosen und Flechten abgelöst. Für einige der Teilnehmer waren die Belastungen grenzwertig – die gute Gruppendynamik und Führung brachten alle heil ans Ziel, auch wenn jeder einige Absitzer auf dem Allerwertesten in Kauf nehmen musste.

Die letzten drei Tage in einem feinen Hotel am Strand im Süden der Insel tragen dazu bei, am Pool oder im Meer zu regenerieren. Köstliche Speisen, besonders Meeresfrüchte und frisches Obst helfen dabei. Hier nur am Strand Urlaub zu machen, dafür ist die lange Anreise zu aufwendig. Die Vulkaninsel „La Réunion“ im Indischen Ozean ist ein Trekkingparadies für konditionsstarke und schwindelfreie Weltenbummler und wird daher auch als „Korsika der Tropen“ bezeichnet.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Lutz Meissner, der uns diesen wunderbaren Beitrag zu unserer La Réunion-Reise zur Verfügung gestellt hat!

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