10 Gründe für die Bretagne

Ich bin ein Bretagne-Fan! Und das nicht erst seit den populären Dupin-Krimis von Jean-Luc Bannalec. Wobei ich auch diese großartig finde. Ich schätze vieles an der Bretagne – die französische Lebensfreude des Savoir-Vivre, die bretonischen Eigenheiten und Sitten, die wechselvollen Landschaften von der rosa Granitküste, über die zerklüftete Halbinsel Crozon bis hin zu den karibisch anmutenden Glenan-Inseln. Um Nolwenn, die Sekretärin des Kommissars zu zitieren: „Es gib nicht die eine Bretagne, es gibt viele Bretagnen“.  Und genau diese Vielfalt und Eigenheiten, gepaart mit fantastischer Küche und genügend Laissez-Faire-Mentalität macht für mich den Reiz der Bretagne aus. Folgend habe ich euch meine persönlichen Top Ten der Gründe für eine Reise in die Bretagne aufgeführt:

1. Fruit de Mer

Fangen wir doch einfach mit meinem Lieblingsthema an – dem Essen. Man sagt ja sprichwörtlich „Liebe geht durch den Magen“. Ich finde, man kann dies aber durchaus auch aufs Reisen übertragen. Denn wann, wenn nicht im Urlaub gönnt, man sich die ein oder andere Schlemmerei und genießt das Leben in vollen Zügen? Und wenn das Essen dann noch so ausgezeichnet schmeckt, regional und saisonal produziert wird, ist doch alles perfekt. In der Bretagne bekommt man ganzjährig ausgezeichnete Meeresfrüchte serviert, oft sogar zum kleinen Preis. Auf dem Wochenmarkt werden frische Austern zum sofortigen Verzehr an Stehtischen angeboten. Inmitten von Gemüsehändlern und frischen Backwaren genehmigt man sich ein Assiette (Gedeck) und trinkt vorzugsweise ein Glas Crémant dazu, meist für zusammen unter 20,-€. Doch auch andere Meerestiere wie Crevetten, Hummer, Mollusken und natürlich fangfrischer Fisch finden den Weg auf den Teller. Besonders stolz sind die Bretonen auf ihre blauen Hummer, die, wie kann es anders sein, die schmackhaftesten der Welt sein sollen.

Meeresfrüchte und fangfrischer Fisch dürfen bei keiner Bretagne-Reise fehlen

2. Kommissar Dupin

Hand auf Herz, kein Blog-Beitrag über die Bretagne kommt heutzutage ohne Kommissar Dupin aus. Egal ob man die Bücher oder die Filme bevorzugt. Der Autor Jean-Luc Bannalec schafft es wie kein anderer die Landschaften und Eigenheiten der Bretonen so detailliert zu schildern, dass man sofort eine Sehnsucht entwickelt dorthin zu reisen. Zwischen den geheimnisvollen Mordfällen, die der Kommissar in allen Gegenden der Bretagne aufdeckt, fließen auch immer aktuelle Themen, die die Menschen vor Ort beschäftigen, mit ein. Sei es die Plage der Grünalgen, die die Strände bedroht oder das keltische Erbe und die Verbundenheit mit der Sagenwelt, bis hin zur Unabhängigkeitsbewegung. Wer einen Dupin-Krimi liest, erfährt so einiges über die bretonische Seele.

10 Gründe für die Bretagne
Concarneau – Wirkungsort von Komissar Dupin

3. Sagen, Traditionen und Keltentum

Kulturell gibt es Parallelen zwischen der Sagenwelt der Bretonen und Großbritanniens. So begegnet man in der Bretagne immer wieder keltischen Kreuzen oder auch dem Symbol der Triskele (3er-Spirale). Auch in der traditionellen Musik hören wir den Dudelsack markant heraus, den man eigentlich eher in Schottland ansiedelt. Auch glauben einige fest daran, dass die Legende um König Artus, den Zauberer Merlin und Lancelot seinen Ursprung im Wald der Broceliande in der Bretagne hat. Menhire und Dolmengräber weisen auf kulturelle Gemeinsamkeiten der ursprünglichen Siedler hin.

Und wenn das Wetter mal unwirtlicher wird, der Küstennebel in die Landschaft zieht und man in der Ferne das Tosen der Wellen hört, wird es in der Bretagne gerne mystisch und man erinnert sich der Sagen um die Anderswelt.

Es gibt aber auch Traditionen, die typisch bretonisch sind. Die Spitzenhäubchen zum Beispiel, die heute noch gerne zu besonderen Anlässen getragen werden. Die vielen Feste rund um den Fischfang in vielen Küstenorten, wie das Festival des Filets Bleu in Concarneau, wo traditionelle Tänze, Trachtengruppen und Musiker auftreten. Oder auch die bretonische Sprache, die wieder unterrichtet und gepflegt wird.

Traditionen und Legenden in der Bretagne

4. Hortensien und Gärten

Wenn man sich für Botanik oder Gartenreisen interessiert, so hat man als erstes Reiseziel oftmals nicht die Bretagne vor Augen. Und doch findet man hier eine Fülle an mediterranen Pflanzen, von Palmen bis zu Natternköpfen und Agaven, über üppige Hortensienbüsche bis zu penibel gepflegten Rosengärten. Der Golfstrom umspült die bretonische Halbinsel von drei Seiten, sodass ganzjährig ein mildes Klima, ohne Bodenfrost, begünstigt wird.

Einer der bekanntesten botanischen Gärten der Bretagne ist der Parc Botanique de Haute Bretagne in der Nähe von Fougères. Auf 25 Hektar verteilen sich 24 Themengärten mit Pflanzen von allen Kontinenten. Besonders beeindruckend ist die jährliche Rhododendron- und Kamelienblüte, die den Park in ein Farbenmeer taucht.

Blumenparadies

5. Coolcation

Temperaturen von über 40°C – in der Bretagne eher selten. Dazu bleibt auch der Atlantik das ganze Jahr über angenehm erfrischend. In den letzten Jahren zieht es immer mehr Urlauber statt in den sonnigen Süden in die Sommerfrische in den Norden. Sei es Skandinavien, Großbritannien oder eben auch die Bretagne. Die fast karibisch anmutenden Strände entlang der rosa Granitküste haben dabei einen entscheidenden Vorteil: noch sind diese nicht überlaufen und auch ohne Handtuchreservierung findet man ein schönes Plätzchen. Zwar gibt es mittlerweile internationale Flüge nach Brest, noch sind diese aber überschaubar. Und so bleibt die Bretagne nach wie vor ein „kleiner“ Geheimtipp für Badegäste bei angenehmen Temperaturen.

10 Gründe für die Bretagne
Karibik? Nein, Bretagne!

6. Ebbe & Flut in der Bretagne

Die Gezeiten haben mich schon immer fasziniert. Dass die Anziehungskraft des Mondes für Ebbe und Flut verantwortlich ist, habe ich bereits in der Grundschule gelernt. In den Familienferien an der Nordsee erlebte ich sie das erste Mal, zwischen Wattwanderungen und Sandburgen bauen. Die Gezeiten in der Bretagne zu erleben ist aber etwas völlig anderes. Der Tidenhub gehört zu den höchsten der Welt, bis zu 16m Unterschied hat der Meerespegel hier. Einmalig!
Die Bretonen wussten die Kraft des Wassers schon früh zu nutzen. Zahleiche alte Gezeitenmühlen findet man an den Flüssen, die ins Meer münden. Das Mühlrad wurde durch das ein- und ausströmende Wasser angetrieben und mahlte das Korn, ganz ohne Esel oder Windrad. In der Nähe von St. Malo steht das einzige Gezeitenkraftwerk Europas – nachhaltiger kann Strom nicht erzeugt werden.

10 Gründe für die Bretagne
Die Bretagne ist geprägt von den Gezeiten

7. Leuchttürme

2.700 km Küste umfasst die Bretagne, einige Abschnitte mit spektakulären Klippen und schroffen Felsen. Die Gezeiten, Unterströmungen, zahlreiche Untiefen und zerklüftete Felsen machen das Gebiet zu einem der anspruchsvollsten Segel- und Schifffahrtsreviere der Welt. So wundert es nicht, dass die Bretagne die höchste Leuchtturmdichte der Welt aufweist. 40 der insgesamt 220 Leuchttürme Frankreichs stehen an der bretonischen Küste und den vorgelagerten Inseln. Viele sind weltweit bekannte Fotomotive und Sehenswürdigkeiten, wie z. B. der Phare de la Jument der auf einem Felsen im Meer thront und bei stürmischer See von den Wellen fast bis zur Spitze umspült wird.

Leuchttürme in der Bretagne

8. mittelalterliche Städte und Architektur

Metropolen und Millionenstädte sucht man in der Bretagne vergebens. Selbst Brest hat grade mal knapp 150.000 Einwohner. Was man dafür in Hülle und Fülle findet sind hübsche kleine Orte, oft mit einer mittelalterlichen Altstadt, Häusern aus Granit mit Schieferdächern und pittoresken Kirchen und Kapellen. Einer der fotogensten Orte ist das Dorf Locronan mit seinem gut erhaltenen Stadtkern und der gotischen Kirche. Aufgrund des Gesamtensembles wurde Locronan schon häufig als Filmlocation für mittelalterliche Filme und Serien genutzt, unter anderem für Roman Polanskis Film Tess.
Aber auch Städtchen wie Quimper oder Lannion weisen malerische Fachwerkhäuser, nostalgische Boutiquen und wahre Architekturperlen auf. Zudem zeichnen sich viele Ortschaften als „Ville fleuris“ aus, ein nationales Label dass die Lebensqualität und die Grünanlagen eines Ortes auszeichnet.

Granitbauten, gotische Gotteshäuser und Schieferdäche sind typisch für die Bretagne

9. Buchweizen-Galette und bretonischer Cidre

Die Meeresfrüchte und den fangfrischen Fisch erwähnten wir bereits. Was jedoch auch auf keiner Bretagne-Reise fehlen darf, sind die herzhaften Buchweizen-Galette und dazu eine Schale Cidre. Ja genau, Cidre trinkt der Bretone traditionell aus Tonschalen oder Keramiktassen. Beim Belag der Galette sind den Geschmäckern keine Grenzen gesetzt. Typisch ist das Galette complet, mit Schinken, Käse und Ei. Es gibt aber auch vegetarische Varianten mit Gemüse und/der Käse, wer es etwas ausgefallen mag, bestellt ein Galette mit Jakobsmuscheln auf Lauchbett.

In der Region Cornouaille ist dem Lieblingsgetränk der Bretonen sogar eine eigene Touristenroute gewidmet. Die Route du Cidre verbindet 14 Stationen zwischen der Halbinsel Crozon und Le Pouldu, von Cidre-Kellereien über Apfel-Plantagen bis zu Verkostungsangeboten. So trifft Sightseeing auf Kulinarik.

Galette und Cidre – die perfekte Kombination

10. Bequeme Anreise mit Auto und Bahn

Es gibt viele Wege in die Bretagne, auch mit dem PKW oder dem TGV, dem Hochgeschwindigkeitszug der französischen Bahn. Wer ungern fliegt, hat daher gute Alternativen zur Fluganreise. Die schnellste Bahnverbindung von Frankfurt nach Brest benötigt gerade mal 8 Stunden, einziges Manko, die meisten Verbindungen erfordern einen Bahnhofswechsel in Paris.

Mit dem PKW ist ebenfalls eine bequeme Anreise möglich. Zusätzlich ist man vor Ort flexibel und unabhängig unterwegs. Besonders bei einem längeren Aufenthalt oder eine Reisekombination bevorzugen viele die eigene Anreise. Zu bedenken ist lediglich, dass die Autobahnen in Frankreich kostenpflichtig sind. Gerne wird bei Anreise noch ein Zwischenstopp in Paris oder der Normandie eingelegt.

10 Gründe für die Bretagne
Alternative zum Fliegen – mit dem TGV in Frankreich unterwegs

Wenn ich all das so lese, könnte ich sofort wieder meine Koffer packen und in die Bretagne fahren. Wem es ebenso geht, eine Übersicht der Wikinger-Touren in die Bretagne findet ihr HIER.

Eure Nicole